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Solide Blue-Chips versus wachstumsstarke Nebenwerte?

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Aktiengesellschaften werden häufig anhand ihres Börsenwertes (Marktkapitalisierung) in verschiedene Kategorien hinsichtlich ihrer Größe eingeteilt. Die Schwergewichte, die in den großen Länderindizes wie DAX oder Dow Jones gelistet sind, werden als Standardwerte, Large Caps oder Blue Chips bezeichnet.

Die Bezeichnung Blue Chip ist auf die Verbreitung von blauen Jetons (Chips) bei Poker-Spielen in Casinos zurückzuführen, da diese stets den höchsten Wert haben.  Aktien von Unternehmen mittleren Börsenwertes werden als Mid Caps bezeichnet.

Dazu zählen beispielsweise die Aktien aus dem deutschen MDax. Darunter folgen die Aktien von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung, wie sie beispielsweise im SDax vorzufinden ist.

Diese nennt man Small Caps. Mid Caps und Small Caps zusammen werden als Nebenwerte bezeichnet. Cap ist jeweils eine Abkürzung für die englische Schreibweise von Kapitalisierung und meint in dem Zusammenhang die Marktkapitalisierung.

Von Large Caps (Blue Chips) bis Small Caps

Es gibt keine exakte Festlegung, wann eine Aktie als Blue Chip oder Nebenwert gilt, aber international hat sich diese grobe Einteilung als Faustformel durchgesetzt:

- Large Cap: Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Euro und mehr

- Mid Cap: Marktkapitalisierung von 4 bis 10 Milliarden Euro

- Small Cap: Marktkapitalisierung von 200 Millionen bis 4 Milliarden Euro

Sind Nebenwerte Aktien aus der 2. Liga?

Neulich fragte mich ein Bekannter, ob der MDax und der SDax nur die 2. und 3. Börsenliga darstellen würden, wenn doch im Zusammenhang mit dem DAX gelegentlich von der 1. Börsenliga gesprochen wird.

Meine Antwort lautete, dass man zwischen Größe und Qualität unterscheiden muss. Sie werden sich jetzt vielleicht die Frage stellen, ob es nicht besser ist, nur in Aktien aus dem DAX – also aus der 1. Börsenliga – zu investieren?

DAX-Werte bieten Ihnen sicherlich einige Vorteile: Sie sind z. B. liquider (können also an der Börse leichter gehandelt werden) und auch die Informationsbeschaffung ist einfacher, da die großen Werte stärker im Fokus der Medien und von Analysten sind.

Doch auch die kleineren Werte (z. B. aus dem MDax) sind für Sie als Privatanleger interessant. In den vergangenen Jahren hat der MDax den DAX hinsichtlich der Wertentwicklung sogar abgehängt.

Wie kann es sein, dass der MDax den DAX schlägt, obwohl die Börsenschwergewichte im DAX doch in der Theorie mehr Kapital anziehen müssten als die kleineren Unternehmen aus dem MDax?

Welche Gründe für Nebenwerte sprechen

Einige Nebenwerte sind in ihrer jeweiligen Nische Marktführer und verdienen dort bestens. Auch deshalb bieten Nebenwerte im Vergleich zu Standardwerten oft überproportionale Wachstumsraten.

Außerdem sind mittelgroße Nebenwerte ideale Übernahmekandidaten, da sie an den Börsen oft zwischen 1 und 10 Milliarden Euro kosten und somit als gut finanzierbare Übernahmeziele gelten. Im Falle einer Übernahme winken hohe Gewinne.

Die Standardwerte sind im Vergleich zu den Nebenwerten zumeist schwerfälliger, denn ab einer gewissen Größe wird ein signifikantes Wachstum sehr schwierig. Viele der Standardwerte aus dem DAX haben die besten Wachstumsjahre folglich schon hinter sich.

Auch leiden die größten Indizes – und die darin enthaltenen Blue Chips – oftmals unter sogenannten Index-Investoren. Wenn ein internationaler Investor beispielsweise den deutschen Aktienmarkt abdecken will, kauft er in der heutigen Zeit einen Index-Fonds auf den DAX. In schlechten Zeiten wird dann auch gleich der „ganze Index“ verkauft.

Das führt dazu, dass häufig viele DAX-Unternehmen im Gleichklang laufen und gute Meldungen nicht mehr so stark belohnt werden. Es gibt also eine Art „Sippenhaft“. Ein weiterer interessanter Aspekt, der vor allem in bestimmten Marktphasen für Nebenwerte spricht, ergibt sich aus einer Studie von Allianz Global Investors.

Aus dieser Studie ergibt sich, dass Nebenwerte vor allem im Vorfeld künftiger Zinserhöhungen besser abschneiden als die großkapitalisierten Unternehmen.

Welche Gründe für Standardwerte sprechen

Die Volatilität – also das Schwanken des Kurses – ist bei Standardwerten vergleichsweise niedrig. Somit können Standardwerte risikoarm verkauft werden, also wieder in Geld gewandelt werden.

Rund 50% der Rendite bei Standardwerten besteht oftmals aus der Dividende. Außerdem sollten Standardwerte nicht kurzfristig gehalten werden, sondern sind eher eine langfristige Investition. Von Warren Buffett stammen 2 Zitate, die wunderbar dazu passen:

1.) „Ich versuche nie, mit Aktien Geld zu verdienen. Ich kaufe in der Überzeugung, dass die Börse am nächsten Tag auch für fünf Jahre schließen könnte.“

2.) „Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen.“

Wenn Sie also möglichst schwankungsarme und dividendenstarke Aktien kaufen wollen, empfiehlt sich der Kauf von Standardwerten. Bei solchen Investitionen müssen Sie Ihr Depot auch nicht ständig im Blick haben, sondern können diese Aktien langfristig in Ihrem Depot belassen.

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