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Rolf Morrien

Solarworld gerettet – vorerst

Yannick Esters

Yannick Esters

Es waren zuletzt sehr unruhige Nächte für Investoren in der Solarbranche. Eine Insolvenz jagte die nächste und selbst Großkonzerne wie Bosch oder Siemens scheiterten mit ihren eigenen Solarsparten. Die insgesamt negative Entwicklung machte dann auch beim einstigen TecDAX-Star SolarWorld nicht halten. Eine Zeit lang sah es so aus, als wenn man den Slogan „Mit uns wird Sonne Strom“ umdichten konnte in „Mit uns wird Gewinn Verlust“. Doch ganz so schlimm wurde es nicht. Eine Insolvenz blieb aus, und seit gestern scheint zumindest das Unternehmen SolarWorld gerettet. Für die bisherigen Aktionäre gilt das nicht.

Vom TecDAX-Riesen zum Pennystock

Die Probleme bei Solarworld sind seit langer Zeit offensichtlich. Die Negativentwicklung lässt sich am besten mit Hilfe des katastrophalen Kursverlaufs betrachten. Die Höchstkurse von fast 50 Euro sind seit rund sechs Jahren definitiv Geschichte. Stattdessen sehen sich Anleger Kursen unter 1 Euro, also Pennystock-Niveau, konfrontiert.

Harte Sanierung

Ende April kündigte SolarWorld nach Monaten der Unsicherheit Klarschiff an. Mit einer harten Sanierung sollte der Konzern wieder auf Kurs gebracht werden. Doch dazu mussten die bisherigen Aktionäre und Gläubiger vom Überleben des Konzerns überzeugt werden. Nach monatelangem Hin und her, zahlreichen Verhandlungen im Hintergrund und ergebnislosen Gläubigerversammlungen wurde das Konzept diese Woche von allen abgenickt. Das Sanierungskonzept sieht vor, dass die bisherigen Aktionäre, die durch eine Kapitalherabsetzung um ca. 95 Prozent ihrer bisherigen Anteile gebracht werden. Die Anleihegläubiger werden über einen teilweisen Schuldenschnitt und eine Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital an Solarworld beteiligt.

Am Montag und Dienstag stimmten die Gläubigerversammlungen der Anleihe 2011/2016 mit einer Mehrheit von 99,96 Prozent und der Anleihe 2010/2017 mit 99,8 Prozent dem Sanierungskonzept zu. Am Mittwoch folgte die außerordentliche Hauptversammlung. Auch dort wurde das von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagenen Maßnahmenpaket zur bilanziellen Restrukturierung des Unternehmens mit einer satten Mehrheit von 99,1 Prozent beschlossen. Somit ist SolarWorld vorerst gerettet.

Die Probleme bleiben

Die bisherigen Probleme des Konzerns sind nur zum Teil gelöst. Während die finanzielle Ausstattung gesichert ist, bleibt das Problem an der Produktfront erhalten. Denn die Solar-Fördermaßnahmen stehen seit einiger Zeit unter politischem Druck und werden wohl die längste Zeit so hoch gewesen sein. Und hier muss die Branche nun zeigen, dass sie auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig ist. Bislang ruhte man sich hierzulande nämlich auf den hohen Fördergeldern in Form des Erneuerbaren Energien-Gesetzes aus und hoffte, dass sich die Entwicklung auch in anderen Ländern durchsetzen würde.

Doch es kam bekanntlich an. Die deutsche Solarförderung sucht weiterhin weltweit Ihresgleichen. Doch vielleicht kann hier SolarWorld-Gründer und Branchenpionier Frank Asbeck die Rettung bringen. Sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender von SolarWorld wurde am Mittwoch vorzeitig um weitere fünf Jahre bis zum 9. Januar 2019 verlängert. Eventuell schafft er es ja bis dahin, das Unternehmen (und die Branche) wieder auf Kurs zu bringen. An politischem Einfluss und Bekanntheit in der Branche fehlt es ihm ebenso wenig wie an Ideen.

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