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Rolf Morrien

So arbeitet ihr Gehirn „auf Aktien“

Robert Sasse

Robert Sasse

Im Jahr 2004 entdeckte der Professor für Psychologie und Neurologie an der Stanford University, Brian Knutson, dass der Handel mit Aktien den selben Bereich des Gehirns anreizt, welcher auch mit dem Sexuallust und Drogenkonsum verbunden ist. Dieses neurologische Netzwerk, für gewöhnlich „das limbische System“ genannt, arbeitet auf Hochtouren, sobald es Belohnungen erwartet und dämpft die Funktionalität des Frontallappens ab, der Ort, von welchem Neurologen vermuten, dass dort unser logisches Denken gesteuert wird. Bedeutet dies, dass Aktienmakler auf „Most-Wanted-Postern“ erscheinen werden und von nun an Aktien in dunklen Seitengassen handeln müssen? Wahrscheinlich nicht, aber es zeigt einige psychologische Probleme auf, die bei Anlegern auftreten, welche sonst vollkommen vernünftige Menschen sind.

Der Nicht-Ganz-So-Rationale Anleger

Im 18. Jahrhundert sagte der englische Philosoph Jeremy Bentham, dass der Mensch von zwei Motivationen getrieben wird: Das Streben nach Wohlmut und das Vermeiden von Schmerz. Knutsons Test zeigten, dass Anleger Subjekt dieser Motive sind.

Laut Knutsons Experimenten, tendieren Anleger dazu, rational zu handeln bis ein Geschehnis ihnen Freude (ein überdurchschnittlicher Gewinn) oder Schmerzen (ein Verlust) bereitet. Er fragte Studienteilnehmer sich zwischen 3 Investitionen zu entscheiden – ein Bond mit wenig Risiko und zwei Aktien mit variablem Risiko und Gewinn/Verlust – und auf einem bestimmten Markt zu „investieren“. Der Bond zahlte garantiert 1$ aus; eine der Aktien würde zu 50% 10$ pro Trading-Runde auszahlen oder zu 25% 10$ Verlust generieren; die andere Aktie hatte eine 50-prozentige Chance eines Verlusts von 10$ und eine 25-prozentige eines 10$-Gewinns. Die Teilnehmer wussten, dass die Aktien variierende Auszahlungen haben würden, aber sie wussten nicht, welche Aktie welche war. Sie mussten die Aktien aufgrund der Ergebnisse jeder Trading-Runde bewerten und auf ihrer Gesamthistorie – so wie beim Handel auf einem Schwellenmarkt, über den nur wenig bekannt ist.

Die meisten Teilnehmer starteten mit rationalen Trades; die Rational-, Freude- und Schmerzzentren des Gehirns waren aktiv, aber das erste war dominant. Nach einem unerwarteten Gewinn oder Verlust wurden die Freude- und Schmerzzentren jedoch dominanter und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer irrationalen Entscheidung des Subjekts. Ein Rückschlag veranlasste ein risikoscheues Verhalten und ein Zuwachs ein risikofreudiges Verhalten. Diese zwei unterschiedlichen Teile des Gehirns waren um einiges stärker als der Teil der für Rationalität verantwortlich ist, was zu einem Tauziehen zwischen diesen zwei Extremen führte (Risikoscheue und Risikofreude).

Diese Funde helfen dabei manche der Verhaltensprobleme verschiedener Investoren zu erklären, die über die letzten Jahre kenntlich wurden. Die Chemie im Gehirn ist teilweise dafür zu verantworten, dass wir den Verlusten des letzten Jahres zulange hinterherlaufen und es verpassen für einen Profit zu verkaufen, Verluste uns zu sehr zu Herzen nehmen oder jede andere kostspielige Entscheidung, die uns zeigt, dass wir Nicht-Ganz-So-Rationale Anleger sind. Es stellt sich also heraus, dass Rationalität die Norm ist, Perioden der Irrationalität aber genauso plötzlich entstehen können wie ein Tropensturm.

Handel um des Handelns Willen

Das Hauptproblem, welches die Untersuchungen Knutsons aufbrachten ist der Suchtfaktor beim Handel. Man glaubte lange, dass Menschen auf der Suche nach Geld sind um damit andere Dinge zu finanzieren – schnellere Autos, größere Häuser, vollere Kleiderschränke – aber die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Geld selbst bzw. das „Geldmachen“ das wahre Ziel ist. Knutson fand heraus, dass der Handel selbst das Gehirn in einen Zustand versetzen kann, in welchem er oder sie auf natürliche Weise mehr Fehler macht.

Für Anleger sind das schlechte Neuigkeiten, da es Kosten für den Handel gibt, die außerhalb der Verluste und Gewinne stehen. Wenn Trading ein Hobby wird, welchem sie nachgehen um „high“ zu werden, dann können sie davon ausgehen, dass sie dafür zahlen werden müssen.

Der Vorteil der Erfahrung

In einer anderen Studie über dieses Thema fand man heraus, dass die Fehler meist nur den jungen und unerfahrenen Anlegern unterlaufen. In einer Studie des MITs, fanden die Forscher 2004 heraus, dass unerfahrene Trader viel öfter emotionale Fehler begangen als die Erfahrenen. Dies zeigt an, dass Händler gute Chancen haben  rationale (und hoffentlich profitable) Trades durchzuführen, wenn sie bereit sind die Zeit zu investieren, die benötigt wird um psychologische Höhen und Tiefen einzudämmen. Genauso wie Ärzte sich an Blut gewöhnen können oder Rennsportler an die Geschwindigkeit, können Trader die emotionalen Faktoren des Tradings besiegen.

Der Schlussstrich

Selbst wenn sie nicht an Tages-Trading interessiert sind hat Knutsons Untersuchung Relevanz. Jede Art der Aktien-Investition, auch Wertinvestments, sind Trading – es verteilt sich einfach nur über eine längere Zeit. Sie haben bessere Chancen die Verhaltensfehler, die ihr Portfolio verletzen, zu reduzieren, wenn sie sich bei finanziellen Entscheidungen Zeit lassen und ihrem Gehirn so Zeit geben um emotionale Höhen und Tiefen zu überdenken.
 

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