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Rolf Morrien

Schweizer Notenbank mit Milliarden-Verlust

Rolf Morrien

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Eine negative Überraschung war für viele Investoren die Halbjahresbilanz der Schweizer Nationalbank (SNB). In den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres musste die Nationalbank Wechselkursverluste in Höhe von 14 Mrd. Franken hinnehmen. Während die Investoren die Schweiz als „sicheren Hafen“ feiern, kämpft die Nationalbank gegen die schnelle Aufwertung der eigenen Währung. Das Rezept: Franken werden massiv verkauft, Euro-Reserven gekauft.

So sollen die Wechselkurse relativ stabil bleiben, damit die heimische Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt und nicht zu sehr unter dem starken Franken leidet. Die Größenordnung: Im 1. Halbjahr hat die Nationalbank die Währungsreserven um umgerechnet 132 Mrd. Franken erhöht. Da der Euro dennoch im Vergleich zum Franken stark an Wert verloren hat, musste die SNB Wechselkursverluste in Höhe von 14 Mrd. Franken hinnehmen.

Die Euro-Positionen im Portfolio sind wesentlich weniger wert als zum Zeitpunkt des Kaufs. Bisher sind das nur Buchverluste. Gewinnt der Euro im Vergleich zum Franken wieder an Wert, können sich diese Buchverluste in Rauch auflösen. Wenn aber die Crash-Propheten, die den wertlosen Verfall des Euro beschwören, bestätigt werden, ist die Schweiz nicht der strahlende Sieger, sondern hat ein großes Problem. Die Euro-Währungsreserven der Schweizer Nationalbank wären dann wertlos.

Hohe Milliardenverluste im Falle einer Euro-Pleite kann auch die Schweiz nicht locker verkraften. Die Gewinne der Nationalbank werden zu zwei Dritteln an die Kantone und zu einem Drittel an die Bundesregierung ausgeschüttet. Diese Einnahmequelle würde plötzlich versiegen.

Risiko erhöht, positive Effekte nicht in Sicht

Insgesamt besaß die Nationalbank am Ende des 1. Halbjahres Währungsreserven in Höhe von 227 Mrd. Franken. Dadurch gehört die kleine Schweiz plötzlich zu den 10 größten Devisenbesitzern der Welt. In diesen unruhigen Währungszeiten keine angenehme Ausgangsposition.
Ein positiver Effekt war bisher trotz des Milliardeneinsatzes kaum messbar. Kritiker sehen sogar die Gefahr, dass die Schweiz das Volksvermögen völlig sinnlos verpulvert, weil der riesige Devisenmarkt nicht auf die Schweizer Nadelstiche reagiert.

Preisblase am Immobilienmarkt

Der Kampf an der Währungsfront macht die Schweiz auch noch für Spekulationsblasen anfällig. So zieht die Schweiz in der Krise wie ein Magnet Kapital an. Das führt zu einem starken Schweizer Franken, aber auch zu einem Nachfrageboom nach günstig finanzierten Schweizer Immobilien. Die Folge: Es droht eine Immobilienblase. Um diese Blase zu bekämpfen, müsste die Nationalbank die Zinsen erhöhen. Das geht aber nicht, da dann noch mehr Kapital in den Franken fließen würde. Die Nationalbank schaut dem Treiben daher nur hilflos zu. Sie kann nicht zeitgleich gegen die Immobilienblase und den starken Franken kämpfen.

Bankenkrise ist Risiko und Chance zugleich

Dieses Wechselspiel von wirtschaftlicher Stärke und Schwäche zieht sich wie ein roter Faden durch die Länderanalyse Schweiz. So können die Haushaltspolitik und die Staatsverschuldung – im Vergleich zu anderen Ländern – als sehr solide eingestuft werden. Ein klarer Pluspunkt für die Schweiz. Aber auch in der Schuldenfrage gibt es eine Schattenseite: Der US-Ökonom Nouriel Roubini sieht nach dem Staatsbankrott in Island auch die Schweiz als potenziell gefährdet an. Der gemeinsame Nenner dieser Länder ist, dass die möglichen Schulden im Vergleich zur Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes sehr hoch sind.

Die Bilanzsumme der großen Schweizer Banken übersteigt die Wirtschaftsleistung der Schweiz (BIP) um ein Vielfaches. Es ist fraglich, ob die Schweiz in einer extremen Finanzkrise die Großbanken UBS oder Credit Suisse stützen könnte. Nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers musste der Staat bereits die UBS retten. Wenn aber mehrere große Banken und Versicherungen zeitgleich implodieren, ist der Schweizer Staat überfordert. Das Beispiel Island zeigt, wie schnell ein Land „kippen“ kann, wenn die Finanzbranche zu dominant ist. Die Regierung kennt diese Schwachstelle natürlich und hat noch in der Krise eine Expertenrunde eingesetzt. Die Vorschläge wurden jetzt veröffentlicht und können fast schon als revolutionär eingestuft werden: Die Schweizer Banken sollen die Eigenkapitalquote auf bis zu 19% erhöhen. Zum Vergleich: Das erst kürzlich veröffentlichte internationale Bankenregelwerk „Basel III“ sieht nur eine Erhöhung auf 10,5% vor. Die Schweizer Banken müssen – falls die Pläne so verabschiedet werden – zukünftig wesentlich mehr Reserven halten als die internationale Konkurrenz.

Der Nachteil: Mehr Eigenkapital bedeutet, dass der Kredithebel geringer ist und das Gewinnpotenzial sinkt.
-  Der Vorteil: Die Banken werden sicherer und damit auch der Standort Schweiz.

Aktien aus der Schweiz als Depot-Beimischung

Das Fazit: Die Schweiz ist besonders dann stark, wenn die Krise „leicht köchelt“. Kommt es dagegen zu einer Massenflucht in den Franken, wird das System überlastet. Daher sollte man in der aktuellen Schuldenkrise nicht alles auf die Karte Schweiz und den Schweizer Franken setzen. Eine Beimischung im Depot ist gut, aber keine zu starke Übergewichtung. Da Schweizer Anleihen und Immobilien sehr ambitioniert bewertet sind, bietet sich für Sie der Einstieg in attraktive Schweizer Aktien an. Auf der Seite 4 finden Sie eine konservative und eine spekulative Aktien-Empfehlung.

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