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Rolf Morrien

Rohstoff Erdgas wieder attraktiv: Vermeiden Sie aber die teure Falle!

Rolf Morrien

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In diesen frostigen Tagen finden Sie in fast jeder Wirtschaftspublikation den gleichen Tipp: Der unerwartete Kälteeinbruch in den USA und Europa wird die Energienachfrage anheizen – Investieren Sie in Öl und Erdgas.

Da das Thema Öl bereits in den vergangenen Jahren durch alle Medien ging, fehlt jetzt ein wenig der Reiz des Neuen. Daher stürzen sich Medien, Banken, Zertifikate-Emittenten und ETF-Fondsanbieter auf das Comeback des Rohstoffs Erdgas. Seit September 2009 ist der Erdgas- Preis von 2,50 auf 5,75 USD gestiegen. Das ist ein Preissprung von über 100%, aber das Zwischenhoch im Jahr 2008 lag sogar bei 14 USD. Es ist also noch viel Luft nach oben vorhanden – sollte man meinen. Aber ganz so einfach ist die Investment-Story nicht.

Auch der Depot-Optimierer setzt auf einen langfristig steigenden Erdgas-Preis. Das große Aber: Es gibt nur wenige gute Anlage-Instrumente, um auf einen steigenden Erdgas-Preis zu setzen. Da Sie aktuell überall Kauf-Empfehlungen lesen können, möchte ich daher zuerst dringend vor einer großen Falle warnen, die schon viel Kapital vernichtet hat. Die aus Sicht des Depot-Optimierers besten Erdgas-Empfehlungen finden Sie dann später in diesem Artikel.

Erdgas-Preis sinkt um 20%, Erdgas-Zertifikat um 95%

Mit einem Index-Zertifikat auf den DAX möchten Anleger den deutschen Leitindex möglichst im Verhältnis 1:1 abbilden. Bei einem Aktien-Index ist das auch gut möglich. Der Emittent deckt sich einfach mit den dazugehörigen Aktien ein. Ganz anders sieht es bei Rohstoffen wie Öl oder Gas aus. Der Zertifikate-Emittent kauft keine Ölfässer und lagert kein Erdgas in großen Tankanlagen. Der Emittent deckt sich jeweils mit passenden Terminmarktkontrakten auf Öl und Gas ein. Diese Terminkontrakte sind aber zeitlich begrenzt. Nähert sich das Laufzeitende, muss der Emittent neue Kontrakte mit längeren Laufzeiten erwerben. Diesen Vorgang nennt man „Rollen“.

Der alte und der neue Terminkontrakt haben aber fast nie den gleichen Wert. Wenn der neue Terminkontrakt günstiger ist, kann der Zertifikate-Anleger einen Rollgewinn verbuchen. Ist der neue Kontrakt teurer, entsteht ein Rollverlust. Das Problem: Bei Öl und Gas entstehen sehr oft Rollverluste. Mittel- und langfristig kann das dramatische Folgen haben, wie das folgende konkrete Beispiel zeigt:

Das Gas-Zertifikat mit der WKN ABN4L1 ist bereits seit Ende 2004 auf dem Markt. Damals notierte der Gaspreis bei rund 7 USD, aktuell bei 5,75 USD. Ein Preisabschlag von knapp 20%. Vor gut 5 Jahren wurde das oben genannte Gas-Zertifikat mit einem Preis von 5,85 € am Markt platziert. Da das Zertifikat den Gaspreis abdeckt, sollte der Kursverlust ebenfalls bei rund 20% liegen. Die Realität sieht anders aus: 20% Preisabschlag und 5 Jahre Rollverluste haben fast zu einem Totalverlust geführt. Das Zertifikat notiert aktuell bei gut 0,30 € – ein Verlust von 95%. Eine teure Fehlspekulation!

Daher meine dringende Warnung an Sie: Investieren Sie mit den Gas-Zertifikaten (oder den neuen Gas-ETCs) nicht langfristig über mehrere Jahre auf einen steigenden Gaspreis. Da sehr oft Rollverluste entstehen, kommt es auf Dauer fast zwangsläufig zu hohen Verlusten. Die Gas- Zertifikate und ETCs sind für Trader ein gutes Mittel, um für einige Tage, Wochen oder wenige Monate auf einen steigenden Gaspreis zu setzen, aber kein Dauer-Investment.

Erdgas: Geplatzte Blase und Konjunkturschwäche lösten Preisverfall aus

Wie bereits beschrieben, können Sie den Erdgaspreis leider nicht einfach 1:1 mit einem Zertifikat oder ETC (Rohstoff- Fonds) abdecken – zumindest nicht über einen langen Zeitraum. Das ist bedauerlich, da die Aussichten positiv sind. Spektakuläre Preisanstiege erwartet der Depot-Optimierer nicht, aber die steigende Nachfrage sollte auch zu einem höheren Preisniveau führen. Außerdem macht es strategisch sehr viel Sinn, nicht alles auf eine Karte zu setzen und neben Öl auch die Energieträger Kohle und Gas abzudecken.

Für den rasanten Preisverfall 2008/2009 von 15 auf 2,50 USD pro Million Btu (= 26,4 Standard Kubikmeter Gas) gibt es mehrere Gründe: Zum einen gab es – wie auch beim Öl-Preis – eine spekulative Überhitzung. Wenn eine Spekulationsblase platzt, sinkt der Preis nicht nur auf den fundamental gerechtfertigten Preis, sondern sogar noch deutlich tiefer. Das erklärt den Tiefpunkt bei 2,50 USD. Zum anderen hat die Konjunkturschwäche mit dem sinkenden Energieverbrauch den Preisverfall verstärkt.

Die Reserven reichen noch lange

Gegen einen rasanten Preissprung beim Erdgas spricht die gute Versorgungslage. Experten schätzen, dass die bereits bekannten Vorkommen noch für gut 60 Jahre reichen. Beim Erdöl könnten die Quellen deutlich früher erschöpft sein.

Problematischer ist die Verteilung der Reserven. Russland verfügt über die größten Reserven (über 20%), Iran und Katar folgen mit rund 15%. Hinter diesem Spitzentrio entsteht eine große Lücke. In den USA werden aber neue Reserven erschlossen. Zu den aktiven Unternehmen in dieser Region gehört der Erdgasproduzent Chesapeake Energy, der auch auf der Empfehlungsliste des Depot-Optimierers steht (mehr zu diesem interessanten Unternehmen weiter unten).

Erdgas als Energieträger sehr attraktiv

Wie bereits angesprochen, reichen die Erdgas-Reserven noch für viele Jahrzehnte. Das große Angebot drückt den Preis. Auf der anderen Seite gewinnt der Rohstoff durch die gute Versorgungslage an Attraktivität. Da keine Knappheit zu erwarten ist, setzen immer mehr Stromerzeuger auf Erdgas und nicht mehr auf Erdöl: Der Preis ist günstiger und die planbaren Reserven größer. Steigt die Nachfrage, wird das den Preis nach oben treiben.

Es kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu: Die Energieerzeugung mit Erdgas belastet die Umwelt nicht so stark. Im Vergleich zu Kohle wird bei der Energiegewinnung mit Erdgas nur rund 50% so viel Kohlenstoffdioxid erzeugt. Die Politiker werden daher mit hoher Wahrscheinlichkeit den Energieträger Erdgas weiter fördern, was zu einer zusätzlichen Nachfrage führen wird. Hinzu kommt ein Punkt, der für alle Energieträger gilt: Erholt sich ab 2010 die Konjunktur, wird die Nachfrage nach Energie welt- Fortsetzung von Seite 1 weit wieder steigen, was sich grundsätzlich positiv auf die Energiepreise auswirken wird (gut für Rohstoff-Unternehmen, schlecht für Verbraucher).

Die Alternative zu Gas-Zertifikaten: Aktien von Gasproduzenten

Es gibt 2 Wege, von steigenden Rohstoffpreisen zu profitieren: Sie können direkt auf den Rohstoffpreis setzen, oder Sie investieren in Unternehmen, die diesen Rohstoff fördern. Aktien und Gaspreis entwickeln sich nicht immer im Gleichklang. So kann es zum Beispiel große Kursschwankungen geben, wenn ein Gas- Unternehmen neue Vorkommen entdeckt, oder aber mitteilen muss, dass geplante Förderprojekte nicht realisierbar sind.

Zusätzlich muss berücksichtigt werden, wie sich die Gewinnmargen entwickeln. Ein wichtiger Punkt sind Hedging-Positionen. Die Gasproduzenten können ihre Produktion frühzeitig am Terminmarkt verkaufen und so Planungssicherheit gewinnen und sich gegen fallende Preise schützen. Auf der anderen Seite bedeuten die Vorabverkäufe, dass das Unternehmen nicht mehr von steigenden Preisen profitiert, da der Kaufpreis fixiert wurde.

Exxon setzt mit Übernahme auf US-Gas: Die Konkurrenten werden ebenfalls zukaufen

In den USA setzt der Öl-Gigant Exxon Mobil ein Zeichen und erwirbt für 41 Mrd. USD den heimischen Gasanbieter XTO Energy. Der Kaufpreis ist üppig ausgefallen. Die Exxon-Aktie verlor deutlich nach dem Übernahmeangebot. Das Management von Exxon zahlt einen strategischen Preis: Durch die Übernahme wird Exxon schlagartig die Nr. 1 im amerikanischen Gasmarkt und verhindert, dass ein Konkurrent das Rennen macht. Aus den bereits genannten Gründen wird die Bedeutung des Rohstoffs Gas auch in den USA steigen. Für Erdgas, das direkt in den USA gefördert wird, zahlt der Öl-Multi einen Aufpreis.

Jetzt, wo Exxon den ersten Zug gemacht hat, müssen auch die Konkurrenten wie ConocoPhillips reagieren: Überlassen sie Exxon die Marktführerschaft, oder kontern sie mit weiteren Übernahmen? Die Marktbeobachter sind sich einig: Die Konkurrenten werden zurückschlagen und versuchen, den Abstand zu verkleinern. Daher könnte Exxon den Coup wagen und noch einmal zuschlagen, um den Abstand weiter zu vergrößern und gleichzeitig mögliche Übernahmeziele vom Markt zu nehmen. Mit einem solchen taktischen Zug könnte der Kampf um die Marktführerschaft im US-Gasmarkt entschieden werden.

Anlage-Alternativen: Gas-Aktie oder Strategie-Zertifikat

Zu den möglichen Übernahmekandidaten gehört Chesapeake Energy. Ein Öl-Multi hat bereits einen Fuß in der Tür. Alle Details zu dieser spannenden Aktie und einer Neu-Empfehlung, mit der Sie auf den Gaspreis und auf Gas-Aktien setzen können, erfahren Sie nun.

Chesapeake Energy: Übernahmekandidat mit KGV 11 noch günstig bewertet

Der Depot-Optimierer deckt die amerikanische Gas-Branche seit 2006 mit der Chesapeake-Aktie ab. Der Preisverfall beim Gas hat dazu geführt, dass die Aktie aktuell noch im Minus liegt. Wie explosionsartig der Kurs nach oben springen kann, wenn der Gaspreis anzieht, haben wir 2008 erlebt, als der Aktienkurs von 25 auf 45 € gestiegen ist. Der anschließende Kursverfall war – wie beim Gaspreis – eine Übertreibung.

Der Kurs ist schon wieder von 10 auf 20 € geklettert. Steigt der Gaspreis weiter, oder wird Chesapeake ein „Übernahmeopfer“, kann der Kurs schnell auf über 30 € steigen. Der Börsenwert von 18 Mrd. USD ist für die großen Öl-Multis kein Hindernis.

Bei Chesapeake gibt es bereits mehr als Gerüchte: Der französische Öl-Konzern Total beteiligt sich an einem Chesapeake-Projekt in Texas. Im 1. Schritt zahlt Total 800 Mio. USD. In den nächsten Jahren können zusätzlich bis zu 1,45 Mrd. USD fließen. Die Öl-Konzerne sind also schon auf einen der letzten großen unabhängigen US-Gasproduzenten aufmerksam geworden.

Mit einem KGV von 11 ist Chesapeake noch günstig bewertet. An der Heimatbörse New York wird die Aktie sehr rege gehandelt, aber auch an der Frankfurter Börse werden an guten Tagen rund 5.000 Aktien pro Tag gehandelt. Setzen Sie beim Kauf in Deutschland ein Kauf-Limit von 20 €.

Neues Strategie-Zertifikat wechselt zwischen Gas und Gas-Aktien

Zu Beginn habe ich die Gefahren aufgezeigt, die bei Gas- Zertifikaten durch Rollverluste entstehen. Die Schweizer Bank Vontobel hat Ende 2009 ein Erdgas-Strategie-Zertifikat entwickelt, das genau diese Falle vermeiden will. Das Grundprinzip: Wenn am Terminmarkt Rollgewinne entstehen, wird das gesamte Kapital in Erdgas-Terminkontrakte investiert. Drohen dagegen am Terminmarkt Rollverluste, wird das Kapital in einen Aktien- Index, der aus 15 amerikanischen Gas-Unternehmen besteht, umgeschichtet (unsere Empfehlung Chesapeake Energy ist auch im Index vertreten). Diese monatliche Kontrolle sorgt dafür, dass Rollverluste zu einem großen Teil vermieden werden.

Vontobel hat diese Strategie rückwirkend über einen Zeitraum von 10 Jahren getestet: Während ein reines Gaspreis-Investment am Terminmarkt hohe Verluste gebracht hätte (wie beim Index- Zertifikat auf Seite 1 gezeigt), hat die Kombination Gaspreis/Gas- Aktien ein dreistelliges Plus gebracht. Das ist keine Garantie für zukünftige Gewinne, aber es ist aktuell die beste Möglichkeit, langfristig auf den Gaspreis zu setzen. Beim Kauf zahlen Sie einmalig einen Aufschlag von rund 1,4% (Spread = Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs.) Zusätzlich fällt pro Jahr eine Managementgebühr von 1,2% an. Im Gegenzug werden dem Zertifikat die Dividenden der 15 Gas-Aktien gutgeschrieben.

 

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