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Rolf Morrien

Munich Re: Keine übereilten Schlüsse ziehen

Yannick Esters

Yannick Esters

Es ist ja immer so eine Sache mit den Prognosen. Wenn sie die Zukunft betreffen, sind sie meist mit einer gewissen Unsicherheit belastet. Das mussten heute auch mal wieder die Anleger der Münchener Rück bzw. Munich Re, wie das Unternehmen sich international nennt, erfahren. Eigentlich hatte man das jüngste Hochwasser schon abgehakt, doch tatsächlich war es auch für den Rückversicherer schlimmer, als viele zunächst gedacht hatten.

Wenn Großschäden dazwischen kommen

Rückversicherer profitieren im Normalfall von ausbleibenden Katastrophen und Unwettern. In diesen Fällen können sie die eingenommenen Prämien komplett behalten. Doch das passiert eher selten. Im Rahmen von so genannten Großschadensbudgets werden daher durchschnittliche Schadensereignisse der vergangenen Jahre heruntergerechnet und damit dann das aktuelle Jahr kalkuliert. Im aktuellen Fall ist das Budget sogar noch nicht ausgeschöpft und doch hatte man am Markt mit weniger Schäden gerechnet. Die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe im ersten Halbjahr war nach derzeitigen Schätzungen mit rund 180 Mio. Euro das Hochwasser in Deutschland und den angrenzenden Staaten.
Klassisches Versicherungsgeschäft

Doch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat nicht nur unter den Hochwasserschäden zu leiden. Der Geschäftsbereich des Konzerns ist nämlich weitaus größer. Auch im Erstversicherungsgeschäft, das unter dem Namen ERGO firmiert, läuft es aber nicht ganz so rosig. Eine wichtige Kennzahl hierfür ist die Schaden-Kosten-Quote. Diese lag im ersten Halbjahr im Segment Schaden- und Unfallversicherung (inkl. Rechtsschutz) bei 96,0 Prozent. Je weiter der Wert von 100 Prozent entfernt ist, umso besser. Im ersten Halbjahr 2012 hatte die Schaden-Kosten-Quote noch bei 95,2 Prozent gelegen. Die Schadenbelastung in der Erstversicherung durch das Hochwasser beträgt übrigens voraussichtlich netto rund 50 Mio. Euro.

Die Mischung macht‘s

Am Ende lief es für den DAX-Konzern im zweiten Quartal durchmischt. Der Konzerngewinn sank von 812 Mio. Euro auf 543 Mio. Euro. Dabei spielen natürlich die Belastungen durch das Hochwasser in Deutschland und angrenzenden Ländern von rund 230 Mio. Euro und überdurchschnittlichen Großschäden eine Rolle. Auf das Halbjahr gerechnet, wies Munich Re einen Gewinn von 1,5 Mrd. Euro aus. Konzernchef Nikolaus von Bomhard sieht das Unternehmen daher auf gutem Wege das Gewinnziel von annähernd 3 Mrd. Euro im Gesamtjahr zu erreichen. Das sehr unterschiedliche Schadensaufkommen in den beiden ersten Quartalen zeige erneut, so der Vorstandsvorsitzende, „wie vorsichtig man mit der Ableitung langfristiger Ergebnisschätzungen auf der Basis der Zahlen nur eines Quartals sein muss.“ Tja wie eingangs gesagt: Die Problematik mit den in den Zukunft gerichteten Prognosen kennt man eben in allen Bereichen, auch im Versicherungsgeschäft. Für die Aktie muss das am Ende alles nicht verkehrt sein, denn wer etwas langfristiger auf die Papiere der Munich Re schaut, entdeckt, dass Gelassenheit durchaus so manche hinfällige Prognose übertrumpfen kann.

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