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Rolf Morrien

Mobilfunk: Aus vier werden drei

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Yannick Esters

„Wo bist Du, D-Netz oder E-Netz?“ Erinnern sie sich noch an die Diskussionen vor einigen Jahren, in welchem Netz man telefoniert? Im Lauf der Jahre und durch die fortschreitende Technik wurde die Frage nach dem Netz immer weniger relevant.

Und nun könnte sogar die Frage nach dem Anbieter entfallen, denn im einstigen E-Netz zeichnet sich eine Fusion von O2 und E-Plus ab. Damit entsteht ein Anbieter, der sich auf Augenhöhe mit dem Platzhirsch T-Mobile und dem zweitgrößten Anbieter Vodafone, befindet.

Liebesgrüße aus Madrid

Der einstmals vom deutschen Versorger VIAG in die Welt gesetzte Mobilfunkanbieter VIAG Interkom war lange Jahre der kleinste der vier deutschen Mobilfunkanbieter. Doch mit interessanten Ideen wie der Festnetznummer auf dem Handy wuchs das Unternehmen beständig. Ebenso beständig änderte sich die Eigentümerstruktur.

Im Jahr 2002 wurde das Unternehmen schließlich in O2 umbenannt. Vier Jahre später verabschiedeten sich die bisherigen Gesellschafter und veräußerten O2 an den spanischen Ex-Monopolisten Telefónica. Und diese Liaison war durchaus positiv für das Unternehmen. Doch das organische Wachstum reichte den Spaniern nicht. Seit 2012 wurden offenbar bereits Gespräche mit der E-Plus-Mutter KPN geführt. Der Ex-Monopolist aus Amsterdam hatte sich ebenfalls in Deutschland eingekauft und war im Jahr 2000 bei E-Plus fündig geworden.

Werden aus O2 und E-Plus O-Plus?

Heute wurde bekannt, dass sich KPN und Telefónica über eine Fusion von E-Plus und O2 geeinigt haben. Das neue Unternehmen soll offenbar auch künftig unter Telefónica Deutschland firmieren. Es wird künftig 43 Millionen Kunden haben und einen Umsatz von 8,6 Mrd. Euro erwirtschaften. Als Gegenwert für diese Transaktion wurde eine Barzahlung von 5 Mrd. Euro an KPN beschlossen. Zudem soll KPN künftig einen Anteil von 17,6 Prozent an Telefónica Deutschland halten. Ob mit der Fusion auch die bisherigen Markennamen E-Plus und O2 verschwinden werden, wurde bislang nicht bekannt gegeben. Aber ich hätte mit „O-Plus“ oder „E2“ schon Ideen parat.

Synergien ohne Ende

Wie so oft bei Übernahmen und Fusionen werden natürlich die potenziellen Synergieeffekte über den grünen Klee gelobt. Konkret erhofft sich Telefónica Deutschland Synergien nach Abzug der Integrationskosten in Höhe von 5,0 bis 5,5 Mrd. Euro. Insbesondere in Vertrieb, Kundenservice und Netzwerk werden die Effekte vermutet. Zudem wird ein Wertzuwachs aus zusätzlichen Umsatzerlösen erwartet.

Was sagen die Behörden?

Für Champagner ist es aber noch zu früh, denn die Wettbewerbshüter haben noch das letzte Wort. Für Verbraucher dürfte ein Wettbewerber auf dem deutschen Markt weniger sicher nichts Gutes bedeuten. Dennoch könnte das Bundeskartellamt die Fusion auch durchwinken. Für die Anleger von Telefónica Deutschland ist die Transaktion natürlich positiv, ebenso wie für KPN-Aktionäre. Aber wie so oft schaut man nach Bekanntgabe einer solchen Transaktion auf stolze Kursgewinne. Wäre es anders wäre man ja verbotenerweise ein Insider. So muss man einfach auf die Synergieeffekte setzen und sich mit einem dreigeteilten deutschen Mobilfunkmarkt arrangieren. Den Kursen der Telekomanbieter könnte das ja durchaus gut tun.

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