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Rolf Morrien

K+S: Die Russen kommen

Wer mir vergangene Woche erzählt hätte, dass ein DAX-Titel innerhalb von drei Tagen fast 40 Prozent seines Wertes verlieren kann, den hätte ich für verrückt erklärt. Doch es ist möglich. Die Aktie des Düngemittelkonzerns K+S kennt in den letzten Tagen nur einen Weg: Nach unten. Schuld sind die Russen, genauer der Kali-Marktführer Uralkali, der einen Preiskrieg angezettelt hat. Wer am Ende siegreich daraus hervorgeht ist offen. Einziger Gewinner bisher sind wohl die Hedgefonds, die rechtzeitig auf sinkende Kurse bei K+S gesetzt hatten.

Das Kali-Kartell

Wer bei dieser Überschrift an Drogen aus Südamerika denkt, liegt falsch. Es geht vielmehr um die Belarusian Potash Company (BPC). Dieses Gemeinschaftsunternehmen von Belaruskali aus Weißrussland und Uralkali aus Russland dominierte bislang erfolgreich 43 Prozent des weltweiten Kalimarktes. Doch Uralkali kündigte zu Wochenbeginn an, das Konsortium zu verlassen. Zugleich erklärten die Russen 500.000 Tonnen Kali an CNAMPGC, einen chinesischen Düngemittelhersteller, zu liefern. Allerdings offenbar zu deutlich niedrigeren Preisen, als bislang üblich. Zudem kündigte Uralkali-Chef Baumgertner in einem Interview an, dass die Kali-Preise nun um rund ein Viertel sinken werden – auf rund 300 US-Dollar. Mit dieser Kampfansage schickte er sämtliche Kali-Aktien in den Keller, am härtesten traf es indes aber K+S.
Die Probleme von K+S

Ursprünglich baute K+S vor allem in Deutschland Kali ab. Man kennt ja die weißen pyramidenförmigen Abraumhalden in Hessen und Thüringen. Doch der Rohstoffabbau in Deutschland ist auf Dauer nicht wettbewerbsfähig. Da kam durch die Übernahme der kanadischen Potash One das Großprojekt Legacy in den K+S-Konzern. Im Süden der kanadischen Provinz Saskatchewan wird nun für rund 3 Mrd. Euro ein neues Kaliwerk aufgebaut. Die Produktionskosten sollen dort erheblich niedriger als in Deutschland sein. Doch ob das ausreichen wird, bleibt offen. Alle bisherigen Kalkulationen basierten auf Kalipreisen über 400 US-Dollar je Tonne. Und bis das Werk in Betrieb geht dauert es noch. Die Rede ist derzeit von Sommer 2016. Ab Ende 2017 soll dann die Zwei-Millionen-Tonnen-Marke bei der Produktionskapazität erreicht werden. Anschließend soll dann der schrittweise Ausbau der Jahreskapazität auf die geplanten 2,86 Millionen Tonnen Kaliprodukte erfolgen. Und die Investition stand eh schon auf wackeligen Füßen. Von daher wird es spannend sein, wie K+S aus diesem Schlamassel herauskommt.

Kalimarkt vor Neuordnung

Die Probleme bei K+S und der angezettelte Preiskrieg seitens Uralkali machen deutlich mit welch harten Bandagen in diesem Sektor seit dieser Woche gekämpft wird. Denn nicht nur K+S verlor einen Teil seines Wertes, auch Uralkali selbst musste Kursverluste von einem Drittel hinnehmen. Ob die Russen ihre Pläne am Ende wirklich durchsetzen können und die Produktion so hochfahren, dass sie andere Marktteilnehmer erheblich treffen können, bleibt abzuwarten. Bislang waren es mehr markige Worte, denn Taten. Dennoch ist die Verunsicherung unermesslich. Analysten stutzten reihenweise ihre Ratings und Kursziele zurecht. Teils werden auch heute noch Kursverluste prognostiziert.

Doch vielleicht war das Ganze auch nur ein Intermezzo – wir werden sehen. So oder so gilt: auch mit vermeintlich sicheren DAX-Titeln kann man einmal auf die Schnauze fallen. Da hilft nur ein breites Portfolio.

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