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Rolf Morrien

Illegale Insidergeschäfte

Yannick Esters

Yannick Esters

Wen Anleger von illegalen Insidergeschäften hören merken sie sich dies für gewöhnlich, da es eine Aktivität ist, die sie betrifft. Obwohl es auch legale Formen der Insidergeschäfte gibt, werden sie umso besser verstehen wie der Markt funktioniert wenn sie verstehen weshalb Insiderhandel ein Verbrechen ist. Hier besprechen wir was ein illegaler Insider ist, wie der den Kapitalmarkt gefährdet und was ihn ausmacht.

Wer ist das und was macht ihn gefährlich?
Insiderhandel findet statt, wenn ein abgewickeltes Geschäft durch den Besitz von Unternehmensinformationen, die noch nicht veröffentlicht wurden, beeinflusst wurde. Da diese Informationen für andere Investoren nicht zur Verfügung stehen, versucht eine Person, die solches Wissen verwendet einen unfairen Vorteil gegenüber dem Rest des Marktes zu erzielen.

Der Gebrauch von unveröffentlichten Informationen um einen Handel durchzuführen verletzt die Transparenz, welche die Basis des Kapitalmarkt ist. Informationen eins transparenten Marktes werden so bekannt gemacht, dass jeder Teilnehmer sie zur mehr oder weniger gleichen Zeit erhält. Unter diesen Bedingungen kann ein Anleger einen Vorteil über andere erzielen indem er sich im Analysieren und Interpretieren verfügbarer Informationen übt. Diese Fähigkeit basiert auf individuellen Leistungen und Aufmerksamkeit. Wenn eine Person Geschäfte mit unveröffentlichten Informationen durchführt erhält er oder sie einen Vorteil der für den Rest der Öffentlichkeit unerreichbar ist. Dies ist nicht nur unfair sondern auch zerstörerisch für einen funktionierenden Markt. Wenn Insiderhandel erlaubt wäre würden Anleger das Vertrauen in ihre benachteiligten Positionen verlieren und nicht länger investieren.

Das Gesetz
Im August 2000 veranlasste die „Securities and Exchange Commission“ (SEC) neue Regeln bezüglich des Insiderhandels (die im Oktober des selben Jahres in Kraft traten). Mit der Regel 10b5-1 definierte die SEC Insiderhandel als jegliche Wertpapiertransaktion bei der die Person, die hinter dem Handel steht, im Besitz von unveröffentlichten Informationen ist und somit seine oder ihre Pflicht verletzt solches Wissen vertraulich zu behandeln.

Informationen sind als Material definiert, welches durch seine Veröffentlichung den Aktienwert eines Unternehmens beeinflusst. Im Folgenden ein paar Beispiele: Die Ankündigung, dass das Unternehmen ein Übernahmeangebot erhalten wird, die Bekanntgabe einer Fusionierung, Ankündigung von Einnahmen, bevorstehende Dividenden und zuletzt eine unveröffentlichte Kaufempfehlung eines Analysten.

In einem weiteren Versuch die Wahrscheinlichkeit von Insidergeschäften einzudämmen, beschloss die SEC mit der „Regulation Fair Disclosure“ (Reg FD), die zeitgleich mit Regel 10b5-1 veröffentlicht wurde, dass Unternehmen nicht mehr selektiv bei der Art der Informationsveröffentlichung sein dürfen. Jeder der nicht Teil des Unternehmens ist erhält die Information zur selben Zeit.

Wer ist ein Insider?
Um kurz zu definieren wer ein Insiderhändler ist: Eine Person, die im Besitz von Informationen ist, die erst noch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen. Wenn eine Person ein Insider ist, wird von ihr/ihm erwartet eine treuhänderische Pflicht gegenüber dem Unternehmen und Teilhabern einzuhalten und ist verpflichtet die Informationen vertraulich zu behandeln. Eine Person ist für Insiderhandel haftbar, wenn er/sie mit diesen Informationen im Versuch einen Profit zu erzielen gehandelt hat.

Manchmal sind die Insider leicht zu identifizieren: CEOs, Ausführende und Direktoren sind natürlich sofort im Besitz von Informationen bevor diese öffentlich gemacht werden. Im zweiten Teil der Regel 10b5-2 hat die SEC 3 weitere Möglichkeiten skizziert, die eine Pflicht von Vertrauen und Diskretion verlangen:

1.    Wenn eine Person ihr/sein Einverständnis gibt Diskretion einzuhalten
2.    2. Wenn die Vergangenheit, Muster und/oder die Praxis zeigt, dass eine Beziehung beiderseitige Diskretion benötigt
3.    Wenn eine Person Informationen von einem Elternteil, Kind oder einem Geschwisterkind erfährt

„Partners in Crime“
Bei Insidergeschäften, die daraus entstehen, dass Informationen durch die Wände eines Unternehmens durchsickern, gibt es das was bekannt ist als der „Tipper“ und der „Tippee“. Der Tipper ist die Person, die ihre oder seine treuhänderische Pflicht verletzt hat in dem er/sie absichtlich Insiderinformationen enthüllt hat. Der Tippee ist die Person, die bewusst solche Informationen verwendet um zu handeln. Beide Parteien tun dies für gewöhnlich für einen beiderseitigen Profit. Ein Tipper könnte der Ehepartner eines CEOs sein, welcher seinem Nachbar Insiderinformationen verrät. Wenn der Nachbar dann bewusst diese Informationen für eine Wertpapiertransaktion verwendet ist er oder sie schuldig des Insiderhandels. Selbst wenn der Tippee Information nicht verwendet um zu handeln, kann der Tipper immer noch strafbar für die Veröffentlichung dieser sein.

Für das SEC ist es schwierig zu beweisen ob eine Person ein Tippee ist oder nicht. Die Route, die die Insiderinformationen gehen und den Einfluss auf das Handelsverhalten ist nicht so leicht zu verfolgen. Nehmen wir beispielsweise an, dass eine Person einen Handel initiiert, weil sein oder ihr Makler geraten hat eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen. Wenn der Makler seinen Ratschlag basierend auf unveröffentlichten Informationen gemacht hat, weiß man nie ob die Person, welche den Handel getätigt hat im Wissen über diese Informationen war.

Ausreden, Ausreden
Personen, die für dieses Verbrechen angeklagt sind behaupten oft jemanden darüber sprechen hören gehabt zu haben. Nehmen wir als Beispiel einen Nachbar, welcher ein Gespräch zwischen einer CEO und ihrem Ehemann überhört indem es um Firmeninformationen geht. Tätigt der Nachbar dann einen Handel basierend auf diesen Informationen würde er oder sie das Gesetz verbrechen obwohl die Information „unschuldig“ gehört wurde: Der Nachbar wird zu einem Insider mit einer treuhänderischen Pflicht und ist verpflichtet Diskret mit den Informationen umzugehen, in dem Moment in welchem er die Information erfährt. Da die CEO und ihr Ehemann jedoch nicht versuchten Profit durch ihr Insiderwissen zu erzielen, sind sie nicht unbedingt strafbar für Insiderhandel.

Schlussstrich
Da illegale Insidergeschäfte ihren Vorteil aus einer Chance und nicht aus Fähigkeiten ziehen, bedrohen sie Anleger und ihr Vertrauen in den Kapitalmarkt. Für sie ist es wichtig zu verstehen was Insiderhandel ist, da es vielleicht sie als Anleger betrifft oder das Unternehmen in das sie investieren.

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