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Rolf Morrien

Ihr Leitfaden für die Verlustverrechnung

Rolf Morrien

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Nicht jeder Verlust kann mit anderen Erträgen und Gewinnen verrechnet werden. So können Veräußerungsverluste aus Aktiengeschäften nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften ausgeglichen werden. Eine Verlustverrechnung mit anderen Einkunftsarten wie z. B. Einkünfte aus Vermietung ist nicht möglich.

Altverluste können Sie bis zum Jahr 2013 ausgleichen
Noch bis zum Jahr 2013 können Kapitalanleger, die Verluste aus früheren Wertpapiergeschäften haben (sogenannte „Altverluste“) und diese bisher nicht ausgleichen konnten, mit neuen Kursgewinnen aus Wertpapiergeschäften verrechnen. Voraussetzung dafür: Die (Alt-)Verluste wurden über die Einkommensteuererklärung deklariert und in einem Verlustfeststellungsbescheid berücksichtigt. Die Verrechnung mit laufenden Erträgen wie Zinsen und Dividenden ist – wie früher – nicht möglich. Nur Spekulationsverluste lassen sich mit Spekulationsgewinnen verrechnen. Die Verrechnung ist mit neu entstandenen Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien, Anleihen, Fondsanteilen, Zertifikaten, Finanzinnovationen, vermieteten Immobilien, Gewinnen aus Termingeschäften und anderen Wirtschaftsgütern (z. B. Edelmetallen) möglich.

Der Kauf dieser Kapitalanlagen muss nach dem 1.1.2009 stattgefunden haben, mit Ausnahme der vermieteten Immobilien (hier gibt es noch die 10-Jahres-Frist). Über die Einkommensteuererklärung lassen sich die Altverluste mit den neu entstandenen Gewinnen verrechnen. Werden die alten Spekulationsverluste nicht vollständig in einem Kalenderjahr aufgebraucht, so trägt das Finanzamt sie in die Folgejahre vor und sie sind dort zu verrechnen. Es gilt allerdings eine zeitliche Befristung bis zum Jahr 2013. Sind bis dahin nicht alle Verluste aufgebraucht, dürfen sie zeitlich unbefristet nur noch mit Gewinnen aus der Veräußerung von privaten vermieteten Immobilien sowie aus der Veräußerung von sonstigen Wirtschaftsgütern (z. B. Edelmetalle) verrechnet werden. Das folgende Beispiel soll Ihnen die Verrechnung der Altverluste verdeutlichen:

Aus den Jahren vor 2009 hat ein Ehepaar Altverluste in Höhe von 15.000 €. Am 29.04. wurde ein Aktienpaket mit 3.500 € Gewinn verkauft, das im Dezember des letzten Jahres gekauft wurde. Am 31.12. werden für ein Tagesgeldkonto 3.900 € Zinsen gutgeschrieben. Die Abrechnungen bei der Bank sehen wie folgt aus:

29.04. + 3.500,00 € Aktien-Kursgewinn
./. 1.602,00 € Freistellungsauftrag
= 1.898,00 € Bemessungsgrundlage für Steuern
500,60 € (25% Abgeltungsteuer + 5,5% Soli = 26,375%)

3.500,00 € Aktien-Kursgewinn
– 500,60 € (Steuern)
= 2.999,40 € Gutschrift Kursgewinn nach Steuern

31.12. + 3.900,00 € Zinsertrag
./. 0,00 € Freistellungsauftrag, da bereits verbraucht
= 3.900,00 € Bemessungsgrundlage für Steuern

./. 1.028,63 € (25% Abgeltungsteuer + 5,5% Soli = 26,375%)
+ 2.871,37 € Gutschrift Zinsertrag nach Steuern

Die Aktien-Kursgewinne von 3.500 € können über die Steuererklärung mit den noch bestehenden Verlusten von
15.000 € verrechnet werden. Die restlichen 11.500 € Verluste werden in die Folgejahre vorgetragen. Berechnung
der Steuererstattung:

+ 7.400,00 € Kapitalerträge (3.500 € Kursgewinn + 3.900 € Zinsertrag)
./. 3.500,00 € Verlustverrechnung
./. 1.602,00 € Sparer-Pauschbetrag
= 2.298,00 € Bemessungsgrundlage für Steuern
606,10 € (25% Abgeltungsteuer + 5,5% Soli = 26,375%)
./. 1.529,23 € bereits gezahlte Steuern
./. 923,13 € Steuererstattung

Tipp: Sollten noch Altverluste für einen Ausgleich vorhanden sein, stellen Sie über Ihre Steuererklärung einen Antrag auf Verrechnung. So werden Ihnen über die Steuererklärung die bereits gezahlten Steuern angerechnet und erstattet.

Banken verrechnen Gewinne bereits intern mit Verlusten
Gewinne aus Wertpapiergeschäften sowie Zinserträge werden bereits bankintern mit angefallenen Verlusten über sogenannte Verlustverrechnungstöpfe verrechnet. Erst danach werden von der Bank automatisch die Steuern einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Anschließend erhalten Sie die Erträge nach Steuern auf das Konto gutgeschrieben. Für jeden Gläubiger werden seit 2009 bei den Banken drei Verlustverrechnungstöpfe geführt. Haben die Anleger neben einem Einzeldepot noch ein Gemeinschaftsdepot, so werden sie als zwei Gläubiger behandelt. Die Verlustverrechnungstöpfe:
- Aktien-Verlustverrechnungstopf
-  Allgemeiner Verlustverrechnungstopf
-  Ausländischer Quellensteuer-Verrechnungstopf

Negative Kapitalerträge werden fortan in die Verlustverrechnungstöpfe eingestellt, soweit sie nicht sofort mit bereits erhaltenen positiven Kapitalerträgen des laufenden Jahres verrechnet werden können. Dies geschieht am selbigen Tag. Wurden bereits Steuern einbehalten (z. B. bei einer Gutschrift von Anleihe-Zinsen), entsteht eine Steuergutschrift. Veräußerungsverluste aus Aktiengeschäften können nur mit entsprechenden Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechnet werden. Veräußerungsgewinne aus Aktiengeschäften gleichen hingegen alle anderen negativen Kapitalerträge aus. Veräußerungsverluste aus Zertifikaten, Fonds, gezahlten Stückzinsen beim Erwerb von Anleihen, können mit allen positiven Kapitalerträgen (z. B. Dividenden, Zinsen, Veräußerungsgewinnen aus allen Wertpapiergeschäften) verrechnet werden. Daher gibt es folgende Reihenfolge der Verrechnung von Gewinnen und Verlusten: Aktien-Verlustverrechnungstopf

- Allgemeiner Verlustverrechnungstopf
- Sparer-Pauschbetrag
Verbleiben Verluste im Aktien-Verlustverrechnungstopf und im Allgemeinen Verlustverrechnungstopf, so werden diese mit positiven Kapitalerträgen gegeneinander aufgerechnet. Der umgekehrte Fall ist nicht möglich; Aktienverluste lassen sich nur mit Aktiengewinnen verrechnen. Zusätzlich gibt es einen ausländischen Quellensteuer-Verrechnungstopf. Dieser dient dazu, die ausländische Quellensteuer aufzusummieren. Auf die Abgeltungsteuer wirkt sich der nicht rückforderbare Anteil der ausländischen Quellensteuer mindernd aus.

Die Verlustverrechnung bei Eheleuten
Führen Eheleute bei einer Bank Einzelkonten und Einzeldepots, so ist auf Bankebene eine Verlustverrechnung zwischen diesen Konten und Depots der Eheleute möglich. Einzig eine Bedingung ist zu erfüllen: Ein gemeinsamer Freistellungsauftrag der Eheleute. Liegt kein Freistellungsauftrag vor, kann die Verlustverrechnung nur über die Steuererklärung durchgeführt werden.

Die bankenübergreifende Verlustverrechnung
Einige Anleger führen bei verschiedenen Banken Depots und Konten. Somit gibt es keine Verrechnung von positiven und negativen Kapitalerträgen zwischen den Banken. Die bankenübergreifende Verlustverrechnung kann nur über die Einkommensteuererklärung durchgeführt werden. Um die Verlustverrechnung über die Steuererklärung durchzuführen, benötigen Sie eine Verlustbescheinigung, die die depotführende Bank auf Antrag ausstellen muss. Der Stichtag für diesen Antrag ist jeweils der 15.12. des laufenden Jahres. Stellt die Bank die Verlustbescheinigung aus, fällt der Verlustverrechnungstopf wieder auf Null. Der Depot-Optimierer hat Sie bereits in der November-Ausgabe auf diesen Steuertrick hingewiesen.

Wertpapier-Verkauf und -Rückkauf am selben Tag ist kein Gestaltungsmissbrauch
Der Bundesfinanzhof hat entschieden: Der Verkauf und Rückkauf von Wertpapieren am selben Tag ist kein Gestaltungsmissbrauch. Hierdurch können gezielt Gewinne oder Verluste im Wertpapierdepot realisiert werden zur Verrechnung mit anderen Kapitalerträgenoder mit Verlusten.

Der Fall: Kapitalanleger A hat sogenannte Alt-Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften, die vor 2009 entstanden sind. Sie können bis zum Jahr 2013 mit Veräußerungsgewinnen aus Kapitalvermögen nach neuem Recht verrechnet werden. Um diese Alt-Verluste zu nutzen, verkauft A Aktien, die er in 2009 gekauft hat, mit einem Gewinn und kauft wenige Stunden später die gleichen Aktien wieder zurück. Der Gewinn wird mit den Alt-Verlusten verrechnet. Ein Gestaltungsmissbrauch liegt nicht vor, denn selbst wenn der Rückkauf nach wenigen Stunden erfolgt, unterliegt A einem Kursrisiko.

Beachten Sie dabei aber Folgendes:
-  Werden Wertpapiere zu unterschiedlichen Zeitpunkten gekauft, gelten immer die zuerst erworbenen Aktien als zuerst veräußert (FiFo-Prinzip – First in, First out, zu deutsch: zuerst rein, zuerst raus). Wurden die Wertpapiere vor 2009 erworben, wird beim Verkauf und anschließendem Rückkauf der Bestandsschutz für Altaktien aufgehoben, d. h., die beim Rückkauf erworbenen Wertpapiere unterliegen neuem Recht. Veräußerungsgewinne sind dann auch außerhalb der Jahresfrist steuerpflichtig.
-  Sind im selben Jahr Veräußerungsgewinne und Veräußerungsverluste angefallen, verrechnet Ihre Depotbank diese miteinander, d. h. die Veräußerungsgewinne stehen nicht mehr zur Verrechnung von Alt-Verlusten zur Verfügung. Überführen Sie daher die Gewinn-Wertpapiere von den Verlust-Wertpapieren getrennt in ein zweites Depot. Danach können Gewinne gezielt aufgedeckt werden, um diese mit den Alt-Verlusten zu verrechnen.

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