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Rolf Morrien

Hyperinflation 1923: Eine Wiederholung bleibt uns hoffentlich erspart

Rolf Morrien

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Der deutsche Staatsbankrott im Jahr 1923 vereint zwei wesentliche Krisenmerkmale: Erst hat ein Krieg (der Erste Weltkrieg und seine Folgen) das Land, die Wirtschaft und die Währung geschwächt. Dann sorgte die Inflation für den Todesstoß. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es mehrere Probleme, die mit der Notenpresse gelöst wurden: Die Reparationszahlungen an die Sieger des Ersten Weltkriegs (66 Jahresraten zu 2 Mrd. Goldmark), der Wiederaufbau und die Versorgung der ehemaligen Soldaten.Diese gewaltigen Ausgaben wurden mit Krediten der Reichsbank bezahlt.

Da im August 1914 der Goldstandard aufgehoben worden war, konnte der Staat mit Hilfe der Reichsbank beliebig viel Geld drucken. Die Lage eskalierte, als der Ruhrkampf ausbrach. Die deutsche Regierung finanzierte den passiven Widerstand der Bevölkerung gegen die Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen und Belgier. Der Staat bezahlte die Löhne von rund zwei Millionen Arbeitnehmern im Ruhrgebiet. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde auch die Bevölkerung misstrauisch und versuchte, das Papiergeld so schnell wie möglich gegen Waren einzutauschen.

Das war eine rationale Entscheidung, da die Mark im Vergleich zum US-Dollar fast täglich 50% an Kaufkraft verlor – und die Händler jeweils sofort die Preise verdoppelten. Im Mai 1923 bekam man für 1 US-Dollar bereits 47.640 Mark, im November 1923 waren es 4.200.000.000.000 Mark. Durch die Einführung der Rentenmark wurde das deutsche Währungssystem auf ein neues Fundament gestellt. Die Währungsreform forderte jedoch Opfer: Die Besitzer von Geldvermögen waren die großen Verlierer. 1 Billion Mark wurden in 1 Rentenmark umgetauscht. Besonders bitter war dieser Schnitt für die Besitzer der Kriegsanleihen, die quasi wertlos wurden.

Die Regierung hatte aber ein Problem weniger: Über Nacht lösten sich Schulden bei der eigenen Bevölkerung in Höhe von über 150 Mrd. Mark in Luft auf. Der deutsche Staat profitierte sogar doppelt. Zum einen lösten sich die Schulden gegenüber der eigenen Bevölkerung in Luft auf, zum anderen war die Krise ein Argument, um mit den Siegermächten über eine Senkung der Reparationszahlungen zu verhandeln. Dieses historische Beispiel ist typisch für die Entwicklung einer Hyperinflation: Erst schwächt ein Krieg die Volkswirtschaft, dann löst eine ausufernde Ausgabenpolitik die Inflationswelle aus.

Gegen eine neue Hyperinflation spricht also, dass (zum Glück) das Kriegsszenario fehlt. Nichts hinzugelernt haben die Politiker dagegen im Bereich der Ausgaben-Disziplin. Der Versuch, die Brandherde im Finanzmarkt und in der Immobilienbranche mit Liquidität zu löschen, wird scheitern. Kurzfristig wird die Lage stabilisiert, aber gleichzeitig werden die Währungen entscheidend geschwächt. Eine Hyperinflation bleibt uns hoffentlich erspart, aber auch die schleichende Inflation wird unser jetziges Währungssystem langsam zerstören.

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