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“Heuschrecken” verkaufen deutschen Mittelständler Grohe an Japaner

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Monatelang wurde der deutsche Badausstatter Grohe verschiedenen Investoren angeboten. Nun hat der japanische Konkurrent Lixil das Rennen gemacht und wird – wie es scheint – 87,5% der Grohe-Anteile für 3 Mrd. Euro erwerben.

Verkäufer der 87,5% von Grohe sind der US-Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG) und die Credit Swiss First Boston Private Equity, die Beteiligungsgesellschaft der Credit Suiss. die die Anteile 2004 für 1,5 Mrd. Euro gekauft haben.

Damals hat der Kauf durch die Finanzinvestoren die sogenannte “Heuschreckendebatte” in Deutschland angestoßen.

Die “Heuschreckendebatte”

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die im Jahr 2005 durch den ehemaligen SPD-Spitzenpolitiker Franz Müntefering angestoßene Debatte zum Thema Auspressen von Unternehmen.

In einem Interview sagte er seinerzeit folgendes: „Manche Finanzinvestoren bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“

Diese Äußerung brachte hinsichtlich der Debatte um Private-Equity-Gesellschaften (Finanzinvestoren) damals den Stein ins Rollen und der Begriff der „Heuschrecken“ der Finanzbrache war in diesem Zusammenhang geboren.

Konkreter Anlass für die Äußerungen Münteferings war das Beispiel Grohe. Bei dem in Münteferings Nachbarwahlkreis beheimateten Unternehmen, welches Sanitärarmaturen und -technik herstellt, waren seit 1999 Private-Equity-Gesellschaften am Ruder.

Näheres zur Übernahme von Grohe durch Lixil

Der Übernahme-Deal soll voraussichtlich im 1. Quartal 2014 über die Bühne gehen und wird mit einem Volumen von 3 Mrd. Euro die größte jemals getätigte Investition eines japanischen Unternehmens in Deutschland werden.

Lixil und Grohe werden dadurch künftig mit einem Jahresumsatz von 4 Mrd. Euro gemeinsam zum Branchenprimus aufsteigen.

Grohe und die Tochter Joyou sollen innerhalb des japanischen Konzerns eigenständig bleiben und zudem ihre aktuelle Geschäftsleitung behalten. Der bisherige Grohe-Chef David Haines hat gerade erst einen neuen Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit unterschrieben heißt es aus Firmenkreisen.

Durch den Übernahme-Deal ist ein Börsengang von Grohe vom Tisch. Die beiden Private-Equity-Gesellschaften, die ihre Anteile an Lixil verkaufen, waren lange Zeit zweigleisig gefahren.

Sie hatten auf der einen Seite versucht, einen Käufer für Grohe zu finden und auf der anderen Seite mit einem Börsengang von Grohe geliebäugelt. Letzteres wäre eine weitere Möglichkeit gewesen Grohe zu verkaufen.

Von einigen Seiten wird jedoch vermutet, dass die Idee des Börsengangs nur ein Bluff war, um Druck auf Lixil auszuüben und diese dadurch zu schnellerem Handeln zu zwingen und eventuell auch einen besseren Preis herauszuschlagen.

Fazit: Übernahme-Deal für Verkäufer die beste Lösung

So oder so ist aus meiner Sicht die kommende Übernahme für die Verkäuferseite die bestmögliche Lösung. Erstens würden sie dadurch ihr eingesetztes Kapital innerhalb von knapp 10 Jahren verdoppeln (Kaufpreis 1,5 und Verkaufspreis 3 Mrd. Euro) und zweitens hätte sich ein Verkauf über die Börse schwieriger und längerfristiger gestaltet.

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