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Rolf Morrien

Eskaliert der russische Kali-Konflikt?

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Yannick Esters

Über die Hintergründe der Kursverwerfungen bei Kali-Aktien, insbesondere beim DAX-Wert K+S, wurde in den letzten Jahren ja schon alles gesagt. Doch nun scheint sich ein bislang nicht erwartetes Szenario zu entwickeln. Statt des angekündigten Preiskrieges in der gesamten Branche entwickelt sich das Ganze zu einem heftigen Konflikt zwischen den früheren Partnern Uralkali aus Russland und Belaruskali aus Weißrussland. Sehr zur Freude der Wettbewerber.

Moskau-Inkasso-Methoden im Kalisektor

Bis Ende Juli war die Welt der Belarusian Potash Company (BPC) noch in Ordnung. Dann kam einer der beiden BPC-Partner, die russische Uralkali auf die Idee künftig eher auf Masse, denn auf hohe Preise zu setzen. Die Folge war das Ende von BPC, der bis dato größten Kali-Vertriebsgesellschaft der Welt. Weltweit keimten die Sorgen vor einem Auseinanderbrechen der kartellartigen Strukturen auf. Besonders verärgert scheint man in Weißrussland gewesen zu sein. Denn Belaruskali hatte nur wenige Ambitionen BPC zu verlassen und künftig allein seine Preise zu verhandeln. Doch durch den Alleingang von Uralkali und seinem Chef Vladislav Baumgertner fühlte man sich in Minsk herausgefordert. Nach einem Gespräch mit dem weißrussischen Ministerpräsidenten in Minsk wurde Baumgertner festgenommen. Begründung: Amtsmissbrauch. Schließlich ist Baumgertner nicht nur Chef von Uralkali, sondern auch Aufsichtsratschef von BPC. Doch mit der Verhaftung war es nicht getan. Inzwischen geht es um mehr, denn die weißrussischen Behörden planen nun, Immobilien und andere Vermögenswerte von Uralkali zu beschlagnahmen. Ein Affront der weißrussischen Regierung gegenüber ihrer an sich wohlgesonnenen Regierung in Moskau. Ein Ende des Konflikts ist dabei noch längst nicht abzusehen. Stattdessen darf man gespannt sein, was in den kommenden Tagen noch alles passiert.

K+S: Rettung vor dem DAX-Abstieg?

Angesichts der aktuellen Entwicklung in Russland und Weißrussland gibt es bereits jetzt einen Gewinner: K+S. Die Aktie des deutschen Düngemittelherstellers konnte in den letzten Tagen deutlich zulegen und so den DAX als Spitzenreiter anführen. Dies ist angesichts des drohenden DAX-Rauswurfes umso positiver, da dieser so weniger wahrscheinlich wird. Hätte der Aktienkurs den ganzen August über auf dem Krisenniveau von Anfang des Monats stagniert, wäre ein DAX-Abstieg unvermeidlich gewesen. Nun besteht die berechtigte Chance, dass K+S auch weiter dem deutschen Leitindex angehört. K+S hatte sich zuletzt zwar deutlich negativer über das aktuelle Geschäftsjahr geäußert, zugleich aber auch seine besonderen Qualitäten hervorgehoben. So ist das Unternehmen etwa im Salzgeschäft mit Standorten in Europa sowie Nord- und Südamerika der führende Hersteller der Welt. Im Dünger-Bereich wiederum kann K+S auf Basis der besonderen mineralischen Zusammensetzung der deutschen Kali-Lagerstätten, die als einzige der Welt neben Kalium auch Magnesium und Schwefel enthalten, eine einzigartige Produktpalette anbieten. Diese werden beispielsweise in Kulturen eingesetzt, die einen erhöhten Magnesium- und Schwefelbedarf haben oder empfindlich auf die Chloridkomponente von Standard-Kalidüngemitteln reagieren. Mit diesen Produkten wäre K+S von einem womöglich verschärften Mengenwettbewerb bei Standardware nur in begrenztem Umfang betroffen. Insofern wären die Probleme vielleicht gar nicht so schlimm gewesen. Doch nun zeichnet sich ja ab, dass BPC durch die Streitereien der beiden Beteiligten eher für Unruhe zu seinen Ungunsten sorgt. Neben den amerikanischen Konzernen könnte K+S der lachende Dritte sein. Zumal mal ja in wenigen Jahren noch das kanadische Kali-Projekt Legacy zur Verfügung steht. Wirtschaft ist eben manchmal doch voller Überraschungen. In Verbindung mit der Börse wird es manchmal irre.

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