Buchtipp des Monats
Buch
ARCHIV
THEMEN
Rolf Morrien

Eigentümergeführte Unternehmen: Solide Finanzen und klare Strategie

Rolf Morrien

Rolf Morrien

Die Aktien-Strategie des Depot-Optimierers lautet: Investieren Sie global in die attraktivsten Wachstumsmärkte und lokal in die ambesten geführten Unternehmen in Deutschland. Damit Sie diese Strategie erfolgreich umsetzen können, erhalten Sie eine Doppelausgabe des Depot- Optimierers: Im Spezial-Report „Wachstumsmärkte“ empfehle ich Ihnen breit streuende Fonds, mit denen Sie einfach und pflegeleicht China, Indien oder auch Brasilien abdecken können, und in dieser Ausgabe die besten deutschen Nebenwerte.

In diesen Tagen präsentieren die Unternehmen die Jahresergebnisse 2009 und den Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Das bisherige Zwischenfazit: Durch einen starken Endspurt im 4. Quartal fallen die Ergebnisse für das konjunkturelle „Horrorjahr“ 2009 doch nicht ganz so schlecht aus wie erwartet. Der Grundtenor beim Ausblick: Ein starker Aufschwung ist (noch) nicht in Sicht, aber die Lage bessert sich langsam. Die Auftragseingänge nehmen wieder zu. Die Stimmung ist deutlich besser als vor 12 Monaten.

Besonders auffällig: Einige Unternehmen haben die Krise relativ gut gemeistert und konnten die Branchen-Konkurrenz deutlich abhängen. Sehr oft sind das genau die Unternehmen, die noch von der Gründerfamilie geführt werden. 2 elementare Stärken fallen auf:

1) Die eigentümergeführten Unternehmen sind im Regelfall sehr solide finanziert

2) Diese Unternehmen besitzen eine langfristige Strategie und müssen sich nicht in jeder Konjunkturkrise neu erfinden

Auf den ersten Blick sieht das fast schon banal aus. Angesichts der Krise versprechen fast alle Manager, dass sie eine Zukunfts-Strategie haben und die Finanzen solide sind. Doch sehr oft sind das nur warme Worte. Entscheidend ist, welche Manager ihre Hausaufgaben schon vor Beginn der Krise erledigt haben. Die Klassenbesten sind fast immer die Manager, die auch Miteigentümer des Unternehmens sind.

Von Fielmann bis Westag&Getalit: Die Aktien-Favoriten des Depot-Optimierers

Auf der Empfehlungsliste des Depot-Optimierers finden Sie knapp 1 Dutzend mittelgroße deutsche Unternehmen, die von der Gründerfamilie beherrscht werden. „Beherrschen“ bedeutet in diesem Fall: Die Gründerfamilie (oder direkter Nachfolger) besitzt mindestens 30% der Aktien und nimmt eine führende Rolle im Vorstand oder Aufsichtsrat ein.

Diese Kriterien erfüllen: Fielmann, Hermle, Rational, Bijou Brigitte, ElringKlinger, Fuchs Petrolub, Krones, KSB, PWO, Sto und Westag&Getalit.

Anhand der Performance-Zahlen in der Gelben Liste können Sie erkennen, dass die Aktien dieser Unternehmen in der Vergangenheit fast immer sehr gut abgeschnitten haben. 5 der 11 Aktien liegen trotz der Crash-Phase 2007 bis 2009 dreistellig im Plus und erreichen Spitzenwerte von bis zu 450% (Fuchs Petrolub). Größere Verluste weist dagegen nur der Automobilzulieferer PWO auf, der allerdings in einer Branche tätig ist, die in der Krise extrem gelitten hat. Während einige Konkurrenten aufgrund der Finanzprobleme noch um die Rettung kämpfen, ist die solide PWO AG bereits im 4. Quartal 2009 operativ in die Gewinnzone zurückgekehrt und peilt bis 2012 gut 50% Umsatzwachstum an. Wird das Ziel erreicht, verwandelt sich das aktuelle Minus in der Performanceliste in ein fettes Pluszeichen.

Investieren Sie in Einzelwerte, nicht in die Index-Lösung „GEX“

Als Ergänzung zu den Einzelwerten empfehle ich Ihnen oft eine „pflegeleichte“ Index-Lösung, damit das Depot nicht zu unübersichtlich wird. Im Bereich der eigentümergeführten Unternehmen muss ich jedoch von einer solchen Lösung dringend abraten, obwohl die Deutsche Börse einen Index gegründet hat, der scheinbar ideal zu diesem Thema passt.

Der „GEX“ (German Entrepreneurial Index = Deutscher Unternehmer- Index) nimmt nur Aktien von mittelständischen deutschen Unternehmen auf, bei denen der Vorstand oder der Aufsichtsrat (oder Familienangehörige) 25 bis 75% des Aktienkapitals halten. Das klingt sehr gut, aber die Deutsche Börse hat eine zweite Bedingung eingebaut, die aus meiner Sicht den gesamten Index entwertet: Der Börsengang des betreffenden Unternehmens darf maximal 10 Jahre zurückliegen.

Was für eine Fehlkonstruktion! Der Hintergedanke ist klar: Die Deutsche Börse will keinen Index mit „verstaubten“ Werten, die seit Jahrzehnten von einem Großaktionär kontrolliert werden. Die Folge: Grundsolide Unternehmen wie Fuchs Petrolub, Fielmann oder Krones scheiden automatisch aus dem Index aus, weil sie die 10-Jahres-Frist erreichen, oder wurden erst gar nicht aufgenommen, weil sie bei der Index-Gründung im Jahr 2005 schon länger als 10 Jahre börsennotiert waren.

Im Gegenzug macht der Index aber jede Modewelle mit. So bekam der GEX in der Boomphase plötzlich eine neue Branchengewichtung, da mit Solarworld, Solon, Solar-Fabrik oder Centrosolar immer mehr Solar-Werte in den Index aufstiegen. Viele GEX-Investoren, die einfach nur in den deutschen Mittelstand investieren wollten, haben diese Verschiebung innerhalb der Branchengewichtung wahrscheinlich gar nicht registriert.

Schwerer Fehler: Die Deutsche Börse schließt die krisenerprobten Unternehmen aus dem Index aus

Aus meiner Sicht hätte die Deutsche Börse beim GEX genau den umgekehrten Weg gehen müssen: Aufgenommen werden keine unberechenbaren Börsenneulinge, sondern nur Unternehmen, die schon seit mindestens 5 oder 10 Jahren an der Börse bewiesen haben, dass sie ein Geschäftsmodell besitzen, das in guten und in schlechten Konjunkturzeiten funktioniert.

Da die Deutsche Börse den GEX jedoch als moderne Form des grandios gescheiterten „Neuen Marktes“ konzipiert hat, ist dieser Index für konservative Investoren nicht geeignet. Der Depot- Optimierer empfiehlt Ihnen daher die „Stock-Picker-Strategie“ – die Auswahl von Einzelwerten.

Top-Unternehmen aus Deutschland

Auf der Empfehlungsliste des Depot-Optimierers befindet sich ein knappes Dutzend Unternehmen, die von den Eigentümern geführt werden. Mit Fuchs Petrolub und Hermle stelle ich Ihnen Fortsetzung von Seite 1 auf der nächsten Seite 2 Favoriten im Detail vor. Es folgen kurze Portraits inhabergeführter Depot-Optimierer-Empfehlungen, die exemplarisch die Stärken der Unternehmen aufzeigen.

Fielmann (WKN: 577220)

Günther Fielmann hat die Optikerkette 1972 gegründet und daraus in den knapp 4 Jahrzehnten den europäischen Marktführer geformt. Im Heimatmarkt Deutschland stammt jede zweite verkaufte Brille von Fielmann. Im laufenden Geschäftsjahr plant Fielmann mit einem Jahresumsatz von rund 1 Mrd. €. Das Wachstum wurde aber nicht teuer mit Bankkrediten erkauft. Das Geld für neue Filialen stammt aus dem eigenen Geschäft – vorbildlich! Die Konjunkturkrise hat nur geringe Auswirkungen. Umsatz und Gewinn wachsen weiter. Das einzige Manko: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 20 hat die Aktie bereits ihren fairen Wert erreicht. Das Beispiel Fielmann zeigt den Unsinn der GEX-Regeln: Da die Stammaktie seit Mitte 2000 an der Börse notiert, scheidet Fielmann im Juli automatisch aus dem GEX aus.

Bijou Brigitte (WKN: 522950)

Im Jahr 1963 hat Friedrich-Wilhelm Werner in Hamburg das „Import- und Handelsunternehmen für Modeschmuck“ gegründet. Knapp 50 Jahre später gibt es in Europa und in den USA rund 1.100 Filialen der Modeschmuck-Kette Bijou Brigitte. Wie auch bei Fielmann werden die neuen Filialen nicht mit Krediten finanziert, sondern mit eigenen Mitteln. Anders als bei Fielmann hat bei Bijou Brigitte bereits der Generationenwechsel stattgefunden. Roland Werner hat den Vorsitz übernommen, Vater Friedrich-Wilhelm hält aber noch gut 50% der Aktien. Da das Unternehmen auf eine Eigenkapital-Quote von rund 80% kommt, wird jedes Jahr ein Großteil des Gewinns als Dividende ausgeschüttet. So sind pro Jahr Dividenden-Renditen von 5 bis 10% möglich. Nach der Hauptversammlung am 15. Juli könnte der Dividenden- Abschlag eine kurzzeitige Kursschwäche auslösen. Bei Kursen um 120 € lohnt sich der Einstieg.

Rational (WKN: 701080)

Das Unternehmen wurde 1973 von Siegfried Meister gegründet, der noch immer die Aktienmehrheit hält und den Aufsichtsrat leitet. Rational ist mit einem Anteil von 50% Weltmarktführer für thermische Speisenzubereitung in Groß- und Gewerbeküchen. Die Dampfgarer ermöglichen die schnelle und preisgünstige Zubereitung von großen Mengeneinheiten. Da nach Angaben von Rational erst 18% der potenziellen Kunden diese Technologie nutzen, ist keine Wachstumsgrenze in Sicht. Die Konjunkturkrise hat mit der Schockstarre nach der Lehman-Pleite kurzfristig dazu geführt, dass der Bestelleingang für die Geräte, die 10.000 bis 40.000 € kosten, eingebrochen ist. Der Markt erholt sich wieder, braucht aber nach Rational-Angaben noch 2 bis 3 Jahre, um das alte Rekordniveau zu erreichen. Dann wird auch die Rational-Aktie (Eigenkapital-Quote über 60%) wieder auf das alte Spitzenniveau von 160 € kommen.

Fuchs Petrolub: Über 500% im Plus und weiter ein Kauf

Ein Dauerbrenner auf der Empfehlungsliste des Depot-Optimierers ist seit 2003 die Aktie des weltweit größten unabhängigen Schmierstoffherstellers, Fuchs Petrolub. Hohe Kursgewinne und attraktive Dividenden sorgen für einen Gewinn von über 500%. Die Aktie ist noch immer nicht ausgereizt und kann in schwachen Börsenphasen bei Kursen um 60 € nachgekauft werden.

Rudolf Fuchs hat das Unternehmen im Jahr 1931 in Mannheim gegründet. Fuchs Petrolub wuchs stetig und schaffte 1985 den Sprung auf das Börsenparkett. 2008 gelang der Aufstieg in den MDax. Bemerkenswert ist die personelle Kontinuität: Nach dem Gründer leitete Manfred Fuchs 41 Jahre lang das Unternehmen und gab den Vorstands-Vorsitz erst im Jahr 2004 an seinen Sohn Stefan ab. Da die Familie Fuchs über 50% der stimmberechtigten Stammaktien hält, sind die Machtverhältnisse geklärt.

Herausragend waren die im Depot-Optimierer bereits veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2009: Zwar sank der Umsatz von 1,39 auf 1,18 Mrd. €, doch dafür konnte der operative Gewinn um knapp 5% auf 179,9 Mio. € gesteigert werden. Der freie Cashflow erreichte sogar den Rekordwert von 180 Mio. €. Die Nettofinanzschulden, die von Anfang Januar bis Ende September bereits von 104,6 auf 24,1 Mio. € abgebaut wurden, dürften sich zum Jahresende ganz aufgelöst haben. Nutzen Sie daher jede Schwächephase zum Einstieg in diesen Top-Wert.

Hermle: Die Wette auf den Aufschwung

Der Maschinenbau gehört zu den größten Verlierern der Konjunkturkrise. Selbst ein Spitzenunternehmen wie die Maschinenfabrik Berthold Hermle musste dramatische Einbußen hinnehmen. Im Geschäftsjahr 2009 brach nach vorläufigen Zahlen der Konzernumsatz von 278 auf 127 Mio. € ein. Der Auftragseingang sank von 236,5 auf 99,9 Mio. €. Aber: Anders als viele Konkurrenten blieb Hermle in der Gewinnzone und erreichte einen Jahresüberschuss von mehr als 6 Mio. €. Da Hermle keine Bankschulden hat und über eine üppige Eigenkapital-Quote von über 70% verfügt, wird der Spezialist für Fräsmaschinen auch diese Krise überstehen. Die Familie Hermle hält alle Stammaktien des 1938 in Gosheim gegründeten Unternehmens. An der Börse sind nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien notiert, so dass die Familie weiterhin die Strategie bestimmen kann.

Spannend wird die Aktie, sobald sich die Konjunktur erholt. Nach dem Crash 2000 bis 2003 stieg der Gewinn je Aktie bis 2008 von 1,80 auf 10,12 €. Selbst wenn auf Sicht von 3 Jahren „nur“ das Ergebnis von 2007 erreicht wird (7,19 €), besitzt die Aktie ein Potenzial von über 50%. Hinzu kommen die extrem hohen Dividenden. Da Hermle kein Schuldenproblem hat, wird traditionell ein Großteil des Gewinns ausgeschüttet. 2007 und 2008 waren es jeweils rund 7 € je Aktie. In Spitzenjahren können Sie also mit Dividenden-Renditen von über 10% rechnen. Sie brauchen nur etwas Geduld. Die Aktie ist bis 55 € ein Kauf.

 

https://www.gevestor-shop.de/DO-Depot-Optimierer-09-13/

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
Diesen Artikel weiterempfehlen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bulle
Geldanlage Empfehlung
Infografik der Woche
Teaser