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Rolf Morrien

Die steigende Rohstoffnachfrage als zusätzlicher Preistreiber

Rolf Morrien

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Die auf Seite 1 genannten Preissprünge bei den meisten Rohstoffen lassen sich aber nicht nur mit einem gestiegenen Investoren- Interesse und einer Flucht in Sachwerte erklären. Die reale Nachfrage nach Rohstoffen hat sich wesentlich positiver entwickelt, als es noch in den Krisenjahren 2008/2009 zu erwarten war.

Wachstumsstarke Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien haben die Konjunkturkrise einfach übersprungen und sind zum Teil zweistellig gewachsen. Das hat Auswirkungen auf den Rohstoffverbrauch. Während zum Beispiel in den USA oder Westeuropa der Fahrzeugverkauf im Krisenjahr 2009 eingebrochen ist oder staatlich gestützt werden musste (Abwrackprämie), wurden in China 13,6 Mio. PKWs, Busse und Lastwagen verkauft. Das entspricht einer Steigerung von fast 50%.

Die doppelte Wirkung auf den Rohstoffmarkt: Für den Bau der Fahrzeuge werden riesige Rohstoffmengen gebraucht und anschließend benötigen die Fahrzeuge natürlich auch Öl (Benzin). In der Ausgabe 12/2010 habe ich Ihnen die Zahlen der Internationalen Energieagentur genannt: Bis zum Jahr 2030 wird die globale Energienachfrage voraussichtlich um 45% steigen. Angesichts dieser Wachstumsraten müssen wir uns auch beim Öl über kurz oder lang an ein dreistelliges Preisniveau gewöhnen. Konflikte können Preisschocks auslösen

Der rasant steigende Rohstoffverbrauch in den Wachstumsländern führt zu einem dauerhaft höheren Preisniveau. Das ist aber fast noch die harmlose Variante. Denkbar ist ein Preisschock, wenn die Rohstoff-Versorgung zu internationalen Spannungen führt. Auch hier steht China im Zentrum. Aufgrund der gigantischen Devisenreserven können staatlich kontrollierte Rohstoff-Unternehmen weltweit auf Einkaufstour gehen.

Die Chinesen einigen sich auf langfristige Lieferverträge (erst Anfang des Jahres hat sich China Power für einen Zeitraum von 20 Jahren Kohlelieferungen aus Australien gesichert), oder es erfolgt sogar eine vollständige Übernahme. Die Regierungen in Australien oder Kanada sehen diesen „Ausverkauf“ der nationalen Rohstoff-Reserven jedoch mit zunehmender Skepsis. Politisch brisant könnte mittelfristig auch das Verhältnis Russland, China und Westeuropa werden. In diesem Jahr wurde die erste Ölpipeline zwischen Russland und China eröffnet. Zukünftig sollen pro Jahr 15 Mio. Tonnen Öl von Russland nach China fließen. Ein ähnliches Abkommen gibt es auch für Gas. Die Frage ist aber, ob Russland dauerhaft China und Westeuropa mit Öl und Gas versorgen kann, oder ob Russland die Verhandlungsmacht nutzt, die Vertragspartner zu „erpressen“. Die Zeit der günstigen Rohstoffversorgung aus Osteuropa wäre dann schnell vorbei. Ein sehr schwieriges Thema sind auch die Konflikte rund um die Rohstoff-Schätze in Afrika. Alle Marktteilnehmer kämpfen hier mit sehr harten Bandagen. Sollte ein Konflikt eskalieren, könnte das einen Preisschock am Rohstoffmarkt auslösen. Der Einsatz von Rohstoffen als politisches Druckmittel ist nicht ungewöhnlich: Denken Sie nur an die Ölkrisen 1973 und 1979/1980. Ausgangspunkt waren jeweils politische Spannungen.

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