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Rolf Morrien

Die schleichende Inflation: Der bequeme Weg für die Schuldenstaaten

Rolf Morrien

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Vor 4 Wochen habe ich Ihnen hier das Deflations-Szenario geschildert. Aus Sicht der Regierungen gibt es jedoch „bessere“ Lösungen. Eine schleichende Inflation ist ein Weg, das Schuldenproblem der Staaten zu entschärfen. Das bedeutet jedoch, dass der Staat die Probleme auf andere Marktteilnehmer abwälzt. In diesem Fall wären das die Besitzer von Geldvermögen.

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI) kann sich Inflation als ein Krisen-Instrument vorstellen: „Eine schleichende Inflation von annähernd 5% ist von den wenigen Optionen, die nach dem Sündenfall ausufernder Staatsverschuldung offen stehen, die wohl am wenigsten kostspieligste.“ Der Effekt sei: „Hohe Inflationsraten verringern die reale Belastung nominaler Schulden. Sie sind deshalb politisch die einfachste Option, Staatsschulden auf die kalte Art zu beseitigen.“ Ein Argument, das für diesen Weg spricht, ist die historische Erfahrung.

So wurde in den USA eine Schuldenkrise bereits „weginflationiert“. Mitte der 60er -Jahre waren die USA mit über 120% des BIP verschuldet. Zehn Jahre später lag der Wert nur noch bei gut 30%. Fast 60% des „Schuldenabbaus“ waren ein Inflations-Effekt. Die Gedankenspiele um den „Lösungsansatz“ Inflation haben eine Schwachstelle: Die Inflation lässt sich nicht beherrschen. In den USA wurde in den 60er-Jahren die Verschuldung dank der Inflation gesenkt, aber das war eher ein zufälliger Effekt, der sich günstig entwickelt hat.

Ein Problem ist die Inflationserwartung. Wenn die Unternehmen und Verbraucher davon ausgehen, dass die Inflationsraten deutlich steigen, werden sie entsprechend reagieren. Die Verbraucher werden versuchen, Bargeld möglichst schnell auszugeben, weil das Geld seine Kaufkraft verliert. Die Inflationsspirale kann dann kaum noch gebremst werden. Die dramatischen Folgen waren 2007/2008 in Simbabwe zu sehen, aber auch historisch weiter zurückliegend 1923 in Deutschland. Vom ehemaligen Bundesbankpräsidenten Otmar Emminger ist der schöne Satz überliefert: „Wer mit der Inflation flirtet, wird von ihr geheiratet.“ Papiergeld ist eine reine Vertrauenswährung (es gibt keine Golddeckung mehr). Wenn das Vertrauen fehlt, wird die Währung systematisch zerstört.Dann gilt die Einschätzung von Marc Faber, dass der Wert des Papiergeldes Richtung Null tendiert. Da eine offiziell verkündete Inflationspolitik zu einer steigenden Inflationserwartung und einem Crash am Anleihenmarkt führt, gibt es noch einen anderen Weg: Die Inflationsraten werden künstlich nach unten gerechnet.

Seit Jahrzehnten werden in den USA regelmäßig die Methoden zur Berechnung der Inflationsrate verändert. Es kann kein Zufall sein, dass quasi jede Reform dazu führt, dass die Inflationsrate anschließend niedriger ausfällt. Rechnen Sie daher damit, dass Regierungen und Notenbanken die „echten“ Inflationsraten verstecken. Mit Sachwerten schützen Sie sich auch vor dieser schleichenden Geldentwertung.

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