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Rolf Morrien

Die Königsfrage: Deflation, verdeckte Inflation oder sogar Hyperinflation?

Rolf Morrien

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Die Frage, wie stabil unser Geld ist, bewegt in diesen Tagen die Gemüter. Ich kann Ihnen auch keine Musterlösung präsentieren. Die Finanzkrise ist in dieser Form einmalig, daher können wir keine eindeutigen Rückschlüsse aus der Vergangenheit ziehen. Es gibt nicht nur den einen Weg.

Wie Sie sehen werden, wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen: von Deflation bis Hyperinflation ist jedes Szenario denkbar. In den nächsten Monatsausgaben werde ich die verschiedenen Szenarien unter die Lupe nehmen und einordnen. Beginnen werde ich heute mit dem Deflations-Szenario und der Angst vor einer Wiederholung der Japan-Krise. Die japanische Wirtschaft erlebte in den 80er-Jahren einen unglaublichen Boom. Wenn Sie in alten Wirtschaftszeitungen stöbern, herrschte damals in den USA und in Westeuropa die Angst vor, dass der Export-Weltmeister Japan die gesamte Weltwirtschaft erobert.

Wie sich aber gezeigt hat: Der kreditfinanzierte Boom platzte bald. Wer hoch steigt, fällt anschließend besonders tief. Seit rund 20 Jahren befindet sich Japan im Dauer-Tief. Das Preisniveau sinkt. Unternehmen und Konsumenten halten sich mit Investitionen zurück, weil sie auf noch tiefere Preise warten und sich Investitionen nicht lohnen. Das löste eine Art Schockstarre in der Wirtschaft aus. Die japanische Regierung hat ein erfolgloses Konjunkturpaket nach dem anderen verabschiedet. Diese lösten immer nur Strohfeuer aus. Die Kosten blieben aber.

Die Staatsverschuldung liegt in Japan bei 200% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zur Einordnung: Werte um 60% gelten als noch OK, ab 90% ist eine Rettung aus eigener Kraft kaum noch möglich. Die Anhänger der Deflations-Theorie verweisen immer wieder auf das Beispiel Japan und erwarten in der aktuellen Krise eine Wiederholung in den USA. In der Tat gibt es einige Parallelen: Ein kreditfinanzierter Boom als Ausgangsbasis, der Zusammenbruch einiger Mega-Banken, ein Preissturz bei Immobilien und Aktien, die Regierung verabschiedet hektisch Konjunkturpakete und die Notenbank „hilft“ mit einer Null-Zins-Politik.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch elementare Unterschiede: Ein großer struktureller Unterschied besteht darin, dass die japanische Bevölkerung seit vielen Jahren schrumpft, während die US-Bevölkerung wächst. Grundsätzlich gilt, dass es in einer schrumpfenden Gesellschaft tendenziell eher deflationäre Effekte gibt, während steigende Bevölkerungszahlen inflationäre Effekte haben. Nicht zu übersehen sind auch die Mentalitätsunterschiede: Die Japaner gelten traditionell als sehr sparsam. Damit fällt die Binnenkonjunktur als Wirtschaftsmotor aus. Die US-Bürger sind dagegen sehr konsumfreudig. Aufgrund der Wirtschaftskrise werden auch die Amerikaner den Gürtel enger schnallen (müssen), aber die aktuellen Konsumdaten zeigen, dass keine „japanischen“ Verhältnisse in Sicht sind. Ich erwarte daher nicht, dass sich die Deflations-Krise in den USA (oder in Westeuropa) wiederholt.

PS. Gegen das Deflations-Szenario spricht auch das rasante Wirtschaftswachstum in Ländern wie China, Indien oder Brasilien. Da jetzt auch die Löhne in diesen Ländern steigen, wird der inflationäre Effekt über höhere Preise ins Ausland exportiert. Das Wirtschaftswachstum führt außerdem zu steigenden Energiepreisen. Mehr Informationen und Empfehlungen dazu finden Sie im aktuellen Spezial-Report Öl.

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