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Die heimliche Enteignung der Sparer: Finanzielle Repression

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Ein kleiner Kasten im „Taxing Times“-Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF), der im Oktober erschienen war, sorgte für erhebliches Aufsehen. Was war genau passiert? Dieser kleine Kasten beschäftigte sich mit einer Idee, die durch die Finanzkrise entstandenen Schuldenberge schneller durch eine zehnprozentige Vermögensabgabe abzutragen.

Und weil in diesen Überlegungen auch die Sparvermögen mit einbezogen waren, schwoll die Aufregung in Internet-Foren und in der „alten“ Medienlandschaft schnell an.

Eine IWF-Sprecherin stellte jedoch wenig später klar, dass die Idee einer Abgabe auch auf Finanzvermögen „ein rein theoretisches Gedankenspiel“ sei. Es gebe „keine solche Forderung vom IWF“. Und tatsächlich beschreibt der oben angesprochene Kurztext lediglich die Diskussion über Vermögenssteuern – und weist auch auf die Nachteile hin.

Ich hatte von vornherein ein anderes Szenario für wahrscheinlicher gehalten: Dieses Szenario nennt sich „Finanzielle Repression“. Was das ist und welche anderen Möglichkeiten es gibt, erfahren Sie jetzt.

Die wahrscheinlicheren Möglichkeiten der Entschuldung

Die große Frage lautet: Wie soll die Schuldenkrise gelöst werden? Die eleganteste Lösung wäre ein starkes Wirtschaftswachstum. Läuft der Konjunkturmotor auf Hochtouren, steigen die Steuereinnahmen und sinken die staatlichen Pflicht-Ausgaben. Selbst wenn die absolute Höhe des Schuldenbergs in einer Wachstumsphase konstant bleibt, sinkt die Schuldenquote.

Denn: Der Schuldenberg wird mit der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft verglichen. Wenn der Schuldenstand konstant bleibt, gleichzeitig aber die Wirtschaft wächst, sinkt die Schuldenquote.

Es ist also kein Schuldenabbau notwendig, um die Schuldenquote wieder unter die ursprünglich vereinbarte Obergrenze von 60% zu drücken (aktuell liegt der Wert in Deutschland bei rund 80%). Da die deutsche Wirtschaft 2013/2014 jedoch nur um knapp 1 bis maximal 2% wächst, ist von dieser Seite aus keine Entspannung der Schuldenkrise zu erwarten.

Denkbar ist auch ein Schuldenschnitt. Die Besitzer der Staatsanleihen werden enteignet. Auch so kann ein Staat das Schuldenproblem lösen. In den vergangenen Jahren gab es 2 bekannte Beispiele. Der erste prominente Fall war Argentinien. Der zweite Fall betraf sogar ein EU-Mitglied. Besitzer von griechischen Staatsanleihen wurden ebenfalls enteignet.

Der Schuldenschnitt brachte nicht den erhofften Befreiungsschlag. Ich halte einen zweiten Schuldenschnitt für sehr wahrscheinlich. Ein kleiner EU-Staat wie Griechenland kommt mit dieser Strategie durch, bei den EU-Schwergewichten wie Deutschland, Frankreich oder Italien ist das jedoch keine Handlungsoption.

Wenn keine andere Alternative in Sicht ist, würde die Währungsunion vorher aufgelöst. Es bleibt eine dritte Option: Die sogenannte „finanzielle Repression“. Das ist die sanfte Art der Enteignung. Die Schulden werden weginflationiert. Regierungen und Notenbanken müssen dafür an zwei Stellschrauben drehen:

Zum einen müssen die Zinsen unter die Inflationsrate gedrückt werden. Diesen Trend können Sie seit Ausbruch der Krise beobachten. In den USA liegt der Leitzins in der Bandbreite von 0,00 bis 0,25% und wird dort aller Voraussicht nach noch eine ganze Weile bleiben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist noch nicht ganz so weit, aber auch bei uns wurde die 1%-Marke längst unterschritten. Der Leitzins der EZB wurde kürzlich von 0,5 auf 0,25% gesenkt und tendiert auch Richtung Null.

Zum zweiten müssen die Regierungen dafür sorgen, dass die großen Investoren in der Zins-Falle gefangen bleiben. Reformen wie Basel III und Solvency II sorgen dafür, dass Versicherungen und Banken große Teile des Anlagekapitals trotz der Null-Zins-Politik in Staatsanleihen investieren (müssen). Liegt das Zinsniveau über mehrere Jahre unterhalb der Inflationsrate, sinkt ebenfalls die Schuldenquote.

So dramatisch sind die Folgen finanzieller Repression für Sparer

Wie drastisch die Folgen für Sparer sind, hat vor einiger Zeit Thomas Mayer, der Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank vorgerechnet. Bei einem Zinssatz von 0% und einer Inflation von 3% pro Jahr, erleiden Sparer nach 20 Jahren einen Kaufkraftverlust von über 50%. Das bedeutet: Das Geld liegt noch auf dem Konto, aber der Sparer kann dafür viel weniger Waren und Dienstleistungen erwerben als heute.

Daher lautet meine Empfehlung: Meiden Sie Sparformen, die Renditen unterhalb der Inflationsrate abwerfen. Sie haben als Privatanleger die Wahlfreiheit.

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