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Die Crash-Propheten und ihr zweifelhaftes Standing

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

In dieser Woche erleben wir den Kampf des DAX mit der 9.000er Marke. Überhaupt haben wir in diesem Jahr schon einige Male neue Allzeithochs verschiedener bedeutsamer Indizes wie z.B. des DAX oder des Dow Jones gesehen.

Vor allem in Zeiten wie diesen häufen sich die Meldungen sogenannter Crash-Propheten, die den Untergang der Weltwirtschaft, der Euro-Zone oder zumindest den Untergang nationaler Aktienmärkte prophezeien.

Ich habe in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Werbemailings und -anzeigen gesehen, in denen z.B. auf den Untergang der deutschen Wirtschaft hingewiesen wird. Doch was steckt dahinter und wer profitiert davon?

Was aus meiner Sicht dahinter steckt

Die Crash-Propheten versuchen in erster Linie Ängste zu wecken oder zu verstärken. Viele Anleger in Deutschland haben im Zuge des Zusammenbruchs der New Economy oder der durch die Immobilienblase in den USA ausgelösten Subprime Krise einiges an Geld verloren.

Und es gibt einige weitere Beispiele für Marktphasen in denen Anleger Geld verlieren und negative Erfahrungen machen konnten. Dem Zusammenbruch der New Economy oder dem nach Platzen der Immobilienblase in den USA war ein teilweise rasanter Aufschwung vorausgegangen. Das gilt übrigens auch für andere Beispiele.

Viele Anleger haben sich in der Folge lange Zeit nicht mehr an Aktien herangetraut. Diejenigen, die jetzt gerade wieder das Vertrauen in Aktien gewonnen haben sind auch diejenigen, die besonders empfänglich für derartige Prophezeiungen sind.

Die Rekordjagd an den Börsen nehmen nun die Crash-Propheten zum Anlass, mal wieder einige alte Prognosen aus der Schublade zu holen, um damit Kasse zu machen.

Wer davon wie profitiert

Eines ist allen Crash-Propheten gemein. Jeder von Ihnen versucht mit seinen Prognosen und mit eigens entwickelten Lösungen, wie die Krise überstanden werden kann, Geld zu verdienen.

Einige von Ihnen schreiben Bücher, andere Börsenbriefe und wieder andere bieten Regierungen, Finanzinstituten und auch Privatpersonen teure Beratungsleistungen an.

Es gibt aber auch Vertreter dieser Spezies, die zum Beispiel Rohstofffonds managen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit äußern, dass nur Rohstoffinvestments Anleger vor einer dramatischen Inflationskatastrophe bewahren können.

Sie sehen also: Die Crash-Propheten treffen ihre Voraussagen nicht unbedingt um die komplette Weltbevölkerung vor Inflationskatastrophen oder Börsen-Crashs zu schützen – zumindest dann nicht, wenn die komplette Weltbevölkerung dafür nicht bezahlt.

Der vielleicht weltweit prominenteste Crash-Prophet

Einen Crash-Propheten möchte ich Ihnen heute noch vorstellen. Wahrscheinlich werden Sie ihn – zumindest vom Namen her – kennen. Es ist der gebürtige Schweizer Marc Faber.

Marc Faber hat beispielsweise den US-Börsencrash von 1987 und die Asienkrise der späten 90er vorausgesagt. Zudem sah er im Juli den Einbruch des Immobilienmarktes kommen.

Das klingt zunächst einmal alles sehr gut und außerdem haben ihm solche Vorhersagen unter einigen Fans den Spitznamen “Dr. Doom” (Doktor Untergang) beschert.

Doch lässt man die nakten (und kompletten) Zahlen sprechen, sieht es etwas anders aus: Das US-amerikanische Research-Unternehmen CXO Advisory wollte genau herausfinden, wie hoch die Trefferquote einiger Crash-Propheten liegt und nahm deshalb insgesamt 6.500 Prognosen aus den Jahren 2005 bis 2012 unter die Lupe. 150 der insgesamt 6.500 untersuchten Prognosen stammen von Marc Faber.

Das Ergebnis: Faber kam auf eine Trefferquote von 47%. Man hätte also zur Entscheidungsfindung genauso gut eine Münze werfen können. Die Trefferwahrscheinlichkeit wäre dann sogar noch um 3 Prozentpunkte höher gewesen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich respektiere Marc Faber und seine Arbeit unter dem Strich. Doch halte ich überwiegend nichts von seinen Crash-Prognosen und zumeist sogar noch weniger von den Prognosen anderer sogenannter Crash-Propheten.

Ausblick: Morgen verrate ich Ihnen an dieser Stelle, warum der Crash in diesem Jahr noch Urlaub hat und warum eine Bildung von Spekulationsblasen bislang höchstens bei Einzelaktien zu beobachten ist.

 

 

 

 

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