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Rolf Morrien

Die Betriebskapitalposition

Robert Sasse

Robert Sasse

Anleger bewerten die Stärke der Jahresabschlüsse eines Unternehmens durch das begutachten von 3 Kategorien der Investitionsqualität: die Adäquanz des Betriebskapitals, die Leistung der Aktivposten und die Kapitalisierungsstruktur. In diesem Artikel beginnen wir mit einem umfassenden Blick darauf wie man am besten die Qualität des Betriebskapitals eines Unternehmens bewertet. In einfacheren Worten bedingt dies, das Messen der Liquidität und Effizienz der Verwaltung in Bezug auf die aktuelle Position des Unternehmens. Das anzuwendende analytische Werkzeug für diese Aufgabe ist die Kapitalbindungsdauer eines Unternehmens.

Lassen Sie sich nicht von falschen Analysen in die Irre führen.
Lassen sie uns, um diese Diskussion zu beginnen, zuerst ein paar geläufige aber fehlerhafte Ansichten zu der aktuellen Position eines Unternehmens, welche einfach nur aus der Beziehung seiner aktuellen Anlagen und Verpflichtungen besteht, korrigieren. Das Betriebskapital ist die Differenz zwischen diesen beiden breiten Kategorien der finanziellen Aspekten und wird durch den absoluten Dollar-Betrag ausgedrückt.
Entgegen den konventionellen Weisheiten hat die aktuelle Position eines Unternehmens wenig oder gar keine Relevanz für die Beurteilung der Liquidität. Dennoch ist diese Zahl oft in finanziellen Berichten eines Unternehmens aufgeführt, so wie in der Jahresbilanz und auch von Recherchedienstleistern. Egal wie groß, der Betrag des Betriebskapitals wirft sehr wenig Licht auf die Qualität der Liquidität eines Unternehmens.
Ein anderer Teil der weitverbreiteten Weisheiten, der korrigiert werden muss, ist der Gebrauch des Liquiditätskoeffizienten und dem seines nahen Verwandten der Liquidität des zweiten Grades. Im Gegensatz zu verbreiteten Ansichten drücken, diese analytischen Werkzeuge keine evaluative Informationen über die Liquidität eines Unternehmens aus, die für einen Anleger Wert hätten. Der allgegenwärtige Liquiditätskoeffizient, ist als ein Indikator für Liquidität stark verzerrt, da er nur konzeptionell auf der Liquidität aller aktuellen Anlagen basiert um alle aktuellen Verbindlichkeiten abzudecken. In der Realität ist dies sehr unwahrscheinlich. Anleger müssen  ein Unternehmen als einen laufenden Betrieb betrachten. Es ist die Zeit, die es braucht um das Betriebskapital eines Unternehmens in Bargeld umzuwandeln um ihre aktuellen Verpflichtungen zu zahlen, die der Schlüssel zur Liquidität des Unternehmens ist. Kurz: Der Liquiditätskoeffizient ist irreführend.

Ein vereinfachter, aber akkurater, Vergleich der aktuellen Positionen zweier Unternehmen wird die Schwächen des Liquiditätskoeffizienten und dem Betriebskapital als Liquiditätsindikatoren aufzeigen:

Auf den ersten Blick sieht das Unternehmen ABC wie der klare Gewinner in einem Liquiditätswettbewerb aus.  Es besitzt eine ausgedehnte Marge von aktuellen Anlagen über die Verpflichtungen, einen scheinbar guten Liquiditätskoeffizienten und ein Betriebskapital von 300$. Das Unternehmen XYZ hat keine sichere Anlagen/Verpflichtungen Marge, einen schwachen Liquiditätskoeffizienten und gar kein Betriebskapital.
Was wenn die Verpflichtungen beider Unternehmen, jedoch eine durchschnittliche Zahlungsperiode von 30 Tagen haben? Das Unternehmen ABC brauch 6 Monate (180 Tage) um ihre Kundenforderungen einzusammeln und ihr Bestand wird nur einmal im Jahr (365 Tage) ausgehändigt. Die Kunden von XYZ zahlen bar und ihr Inventar wird 24 mal im Jahr ausgehändigt (alle 15 Tage). In diesem erfundenen Beispiel ist das Unternehmen ABC zahlungsunfähig und wäre nicht in der Lage unter den beschriebenen Bedingungen zu handeln.  Die Rechnungen sind schneller fällig als ihre Erzeugung von Geld. Man kann Rechnungen nicht mit Betriebskapital bezahlen; man bezahlt Rechnungen mit Geld! Die anscheinend schwierige Situation des Unternehmens XYZ ist liquider, da es einen schnelleren  Bargeldkonvertierung hat.
Die Liquidität eines Unternehmens richtig messen
Die Kapitalbindungsdauer (auch als CCC (cash conversion cycle) bezeichnet) ist das analytische Werkzeug der ersten Wahl um die Investmentqualität zweier wichtiger Aspekte zu beurteilen – Inventar und Kundenforderungen. Der CCC verrät uns die Zeit (Anzahl der Tage), die es benötigt um diese beiden wichtigen Faktoren in Geld umzuwandeln. Eine schnelle Umschlagsgeschwindigkeit dieser ist was echte Liquidität erschafft und ist ein positiver Indikator der Qualität und der effizienten Verwaltung des Bestands und der Forderungen. Indem wir den historischen Bericht (5 – 10 Jahre) eines CCCs eines Unternehmens verfolgen und mit denen der Konkurrenzunternehmen vergleichen (CCCs variieren entsprechend der Produktart und dem Kundenstamm), wird uns ein einsehbarer Indikator geliefert.
Kurz gesagt, der CCC beinhaltet 3 Standards: die Verhältnisse der Inventarbefüllung, Handelsforderungen und offenen Zahlungen. Diese Komponenten des CCC können als eine Anzahl der Zeiten pro Jahr oder als Anzahl der Tage ausgedrückt werden. Letzteren Indikator zu benutzen liefert eine kohärentere Zeitmaßeinheit, die einfach zu verstehen ist.
Liquidität ist die Königin
Eine zusätzliche Beobachtung ist hier nennenswert. Anleger sollten darauf achten, Liquiditätsverstärker in den finanziellen Informationen eines Unternehmens zu entdecken. Für ein Unternehmen, dass beispielsweise, keine aktuellen Investmentsicherheiten besitzt gibt es normalerweise einen sekundären Markt für eine relativ schnelle Umwandlung zu Geld. Außerdem können unbenutzte Kreditgrenzen – für gewöhnlich in einer Notiz im Bereich Schulden oder Managementsanalyse eines Jahresberichts eines Unternehmens zu finden – schnellen Zugang zu Bargeld liefern.

Der Schlussstrich
Das alte Sprichwort „Das Geld ist König“ ist genauso wichtig für Investoren, die die Investmentqualität eines Unternehmens evaluieren wie für Manager die das Unternehmen leiten. Ein Liquiditätsengpass ist schlimmer als ein Profitengpass. Eine Schlüsselfunktion des Managements ist es sicherzustellen, dass die Forderungen und der Inventar eines Unternehmens effizient verwaltet werden. Das bedeutet ein angebrachtes Level der Produktverfügbarkeit zu gewährleisten und Zahlungstermine zu liefern, während gleichzeitig sichergestellt sein muss, dass das Betriebskapital übermäßige Geldbeträge einnimmt. Dies ist für Manager ein Balanceakt, aber ein wichtiger. Er ist wichtig, da ein Unternehmen mit einer  Liquidität Vorteile aus Preisnachlässen ziehen und kurzfristige Anleihen reduzieren kann und außerdem aus Marktgelegenheiten Vorteile nutzen kann.
Die Bilanzbindungsdauer und ihre Komponenten sind nützliche Indikatoren für die wirkliche Liquidität eines Unternehmens.

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