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Rolf Morrien

Der Unterschied zwischen Leerverkäufen und Put-Optionen

Robert Sasse

Robert Sasse

Leerverkäufe und Put-Optionen sind im Grunde bärische Strategien, die verwendet werden um auf einen möglichen Rückgang eines Wertpapiers zu spekulieren oder um das Verlustrisiko eines Portfolios bzw. einzelnen Aktien abzusichern.

Leerverkäufe involvieren den Verkauf eines Wertpapiers, welches nicht vom Verkäufer besitzt wird, sondern geliehen und dann auf dem Markt verkauft wurde. Der Verkäufer hat nun eine Short-Position zum Wertpapier (im Gegensatz zu einer Long-Position, in welcher der Investor die Aktie besitzt). Wenn der Aktienkurs wie erwartet zurückgeht, wird der Leerverkäufer sie zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und die Differenz in die eigene Tasche stecken, was den Gewinn bei einem Leerverkauf ausmacht.

Put-Optionen bieten eine alternative Route um eine bärische Position zu einer Aktie einzunehmen. Eine Put-Option gibt dem Käufer das Recht die vorliegende Aktie zum Ausübungspreis zu verkaufen. Wenn der Aktienkurs unter den Ausübungspreis sinkt, wird die Put-Option im Preis steigen; umgekehrt verfällt die Put-Option wertlos, wenn der Aktienkurs über dem Ausübungspreis bleibt.
Obwohl es ein paar Gemeinsamkeiten zwischen den beiden gibt, haben sie beide unterschiedliche Risikochancen, die sie vielleicht nicht ganz passend für Amateurinvestoren machen. Das Verstehen ihrer Risiken und Vorteile ist entscheidend um zu lernen, in welchen Szenarien sie ihr maximales Potential einbringen können.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Leerverkäufe und Puts können entweder zum Spekulieren oder zur langfristigen Absicherung verwendet werden. Leerverkauf ist eine indirekte Art der Absicherung, wenn Sie beispielsweise einen konzentrierten Posten von Large-Cap Technologieaktien besitzen, können sie die Nadaq-100 ETF kürzen um ihr Technologie-Engagement abzusichern. Puts, können jedoch verwendet werden um Risiken direkt abzusichern. Wenn Sie über einen möglichen Rückgang im Technologie-Sektor besorgt sind, könnten sie Puts für ihre Technologie-Aktien in ihrem Portfolio kaufen.

Leerverkäufe sind viel riskanter als der Kauf von Puts. Mit Leerverkäufen, ist die Belohnung potentiell begrenzt (da die Aktie nur maximal bis null zurückgehen kann), während das Risiko theoretisch unbegrenzt ist. Auf der anderen Seite, ist das höchste, was Sie beim Kauf von Puts verlieren können der Preis den Sie für sie bezahlt haben, während der mögliche Profit hoch ist.

Leerverkäufe sind außerdem teurer als das Kaufen von Puts aufgrund der Mindesteinzahlungsbeträge. Jemand der einen Put kauft muss kein Einschusskonto erstellen, was bedeutet, dass jemand eine Put-Position, sogar mit begrenzten Kapital, einnehmen kann. Da die Zeit jedoch nicht auf der Seite des Put-Käufers ist, besteht das Risiko hier darin, dass der Investor vielleicht das ganze Kapital verlieren kann, welches er in den Kauf von Puts investiert hat.

Nicht immer bärisch

Wie schon vorher angemerkt sind Leerverkäufe und Puts grundsätzlich bärische Strategien. Aber genauso wie das Negative von etwas Negativem das Positive ist, können Leerverkäufe und Puts für preistreiberische Engagements verwendet werden.

Wenn sie beispielsweise preistreiberisch auf die S&P 500 sind, anstatt Teile des SPDR S&P 500 ETF Trusts zu kaufen, könnten Sie theoretisch einen Leerverkauf auf ein ETF mit einem bärischen Bias auf dem Index einleiten, wie die ProShares Short S&P 500 ETF (NYSE:SH). Dieses ETF sucht tägliche Investitionsergebnisse, die sich mit dem Kehrwert des täglichen Abschneidens der S&P 500 decken; wenn also der Index am Tag 1% erhält, wird das ETF um 1% zurückgehen. Wenn sie aber eine Short-Position zum bärischen ETF haben, sollte ihre Short-Position ebenfalls 1% dazu erhalten, wenn die S&P 500 1% erhält. Natürlich gehören bestimmte Risiken zum Leerverkauf dazu, welche eine Short-Position zu einem bärischen ETF zu einem alles andere als optimalen Weg, um ein längerfristiges Engagement zu erzielen, macht.

Gleichermaßen könnten Sie eine Short-Position zu einem Put errichten (bekannt als „schreiben“ eines Puts), obwohl diese normalerweise mit Preisrückgangen verbunden sind, wenn Sie neutral bis preistreiberisch zu einer Aktie stehen. Die häufigsten Gründe dies zu tun sind zusätliches Einkommen zu erhalten und eine Aktie zu einem Preis zu erlangen, der niedriger als der aktuelle Marktpreis ist. Nehmen Sie zum Beispiel an, ein Wertpapier ist ca. 35$ wert, aber sie sind daran interessiert sie für einen oder zwei Dollar weniger zu erwerben. Ein Weg um dies zu tun ist, Puts zu „schreiben“, welche in 2 Monaten auslaufen. Nehmen wir an, dass Sie Puts mit einem Ausübungspreis von 35$ „schreiben“ und 1,50$ je Aktie erhalten, da sie die Puts geschrieben haben. Wenn der Aktienkurs, bis zum Ablauf der Puts, nicht unter 35$ gesunken ist wird die Put-Option wertlos verfallen und die 1,50$ stellen ihren Profit dar. Wenn der Aktienkurs aber unter 35$ zurückgeht, wird die Aktie an sie „vergeben“, was bedeutet, dass sie verpflichtet sind sie zu 35$ zu kaufen, unabhängig davon ob die Aktie nun 30$ oder 40$ wert ist. Ihr effektiver Preis für diese Aktie ist also 33,50$ (35$-1,50$).
Ein Beispiel – Leerverkäufe gg. Puts auf Tesla Motors

Um die relativen Vor- und Nachteile von Leerverkäufen und Puts darzustellen, verwenden wir Tesla Motors (Nasdaq:TSLA) als ein Beispiel. Tesla stellt elektrische Autos her und war die bestabschneidenste Aktie des Jahres laut des Russel-1000 Index, vom 19. September 2013. Seit diesem Datum stieg Tesla in 2013 um 425%, verglichen mit einem Zuwachs von 21,6% für Russel-1000. Während die Aktie sich schon in den ersten 5 Monaten in 2013 verdoppelte, begann ihr parabolischer Weg nach oben am 9. Mai 2013, nachdem das Unternehmen ihren ersten Profit meldete.

Tesla hat eine Menge von Unterstützern, die glauben, dass das Unternehmen ihr Ziel erreichen könnten der erfolgreichste Hersteller von Batteriebetrieben Autos weltweit zu werden. Allerdings hat Tesla auch keinen Mangel an Kritikern, welche fragen ob die Marktkapitalisierung von über 20 Milliarden $ gerechtfertigt ist.

Achten sie darauf, dass die Leerverkäufe von Tesla 30,7 Millionen Anteile betragen (Stand: 15.April 2013). Der Rückgang der Leerverkäufe um 30% zum 30. August waren wahrscheinlich mit verantwortlich für den riesigen Anstieg der Aktie in dieser Periode. Wenn eine Aktie, die stark gekürzt wurde, anfängt zu steigen, wollen die Käufer ihre Short-Positions loswerden was sich mit dem Aufwärts-Momentum der Aktie addiert.

Teslas Anstieg in den ersten 9 Monaten 2013 waren ebenfalls von einem großen Sprung in den täglichen Handelsmengen begleitet, welche von einem Durchschnitt von 0,9 Millionen, zu Beginn des Jahres, auf 11,9 Millionen, am 30. August 2013, anstiegen, ein 13-facher Zuwachs. Dieser Zuwachs bei den Handelsmengen sorgte dafür, dass die Short Interest Ratio (SIR) von 30,6, zu Anfang des Jahres, auf 1,83, am 30.8., zurückging. SIR ist das Verhältnis von Leerverkäufen zum täglichen Handelsvolumen, und zeigt an wie viele Handelstage es brauchen würde um alle Leerverkäufe zu decken. Je höher die SIR ist, umso höher ist das Risiko des Kurztretens, durch das Leerverkäufer gezwungen werden ihre Positionen durch ansteigende Preise zu decken, je niedriger die SIR umso geringer ist das Risiko.

Wie schneiden die zwei Alternativen ab?

Würde ein Händler eine bärische Position gegenüber der Aktie rechtfertigen können, wenn gegeben ist: (a) die hohe Leerverkauf von Tesla, (b) die relativ niedrige SIR, c) die Anmerkungen von Tesla’s CEO Elon Musk im August 2013, in einem Interview, dass die Firma reich ist und (d) den Durschnittsrichtpreis der Analysten von 152,90$ (Stand: 19. September 2013)?

Nehmen wir im Sinne der Argumentation an, dass der Händler bärisch gegenüber Tesla ist und erwartet, dass sie bis März 2014 zurückgeht.

Leerverkauf von TSLA: Nehmen wir an 100 Anteile verkaufen sich leer bei 177,92 $
Margin die hinterlegt werden muss (50% des gesamten Verkaufsvetrags) = 8896$

Maximaler theoretischer Profit (angenommen TSLA fällt auf 0$) = 177,92$ x 100 = 17792$
Maximaler theoretischer Verlust = unbegrenzt
Szenario 1: Die Aktie fällt bis März 2014 auf 100$ – potenzieller Profit durch Short-Position = (177,92 – 100) x 100 = 7792$
Szenario 2: Die Aktie steht im März 2014 noch immer bei 177,92$ – Profit/Verlust = 0$
Szenario 3: Die Aktie steigt bis März 2014 auf 225$ – potenzieller Verlust durch Short-Position = (177,92 – 225) x 100 = – 4708$
- Kauf von Put-Optionen on TSLA: Kaufen sie einen Put-Vertrag (der 100 Anteile repräsentiert) mit einem Ausübungkurs von 175$ der im März 2014 ausläuft. Dieser 175$ März 2014 Put, wurde, am 19. September 2013, bei 28,70$/29$ gehandelt.
Margin die hinterlegt werden muss = 0
Kosten des Put-Vertrages = 29$ x 100 =2900$
Maximaler theoretischer Profit (angenommen TSLA fällt auf 0$) = (175$ x 100) . 2900$ (Kosten des Put-Vertrags = 14600$
Maximal möglicher Verlust = Kosten des Put-Vertrags = -2900$
Szenario 1: Aktie geht bis März 2014 auf 100$ zurück – Potentieller Profit durch Put-Position = (175 – 100) x 100 ohne die 2900$ kosten des Put-Vertrages = 7500$ – 2900$ = 4,600$
Szenario 2: Aktie ist bis März 2014 immer noch bei 177,92$ – Gewinn/Verlust = Kosten des Put-Vertrags = -2900$                        Szenario 3: Aktie steigt bis März 2014 auf 225$ – Potentieller Verlust durch Short-Position = Kosten des Put-Vertrags = -2900$

Wie man sieht, ist der maximal mögliche Profit, durch den Leerverkauf, 17792$, der eintrifft wenn die Aktie auf 0 fällt. Auf der anderen Seite ist der potenzielle Verlust unendlich groß. Bei der Put-Option liegt der maximale Profit bei 14600$, während der maximale Verlust auf den Kaufpreis für die Puts beschränkt ist bzw. 2900$. Beachten Sie, dass die obigen Beispiele nicht die Kosten für das Leihen der Aktie miteinbezieht. Bei der Put-Option bestehen im Voraus zu zahlende Kosten, die für den Erwerb der Puts notwendg sind, allerdings keine weiteren Kosten. Ein letzter Punkt – die Put-Optionen haben ein Auslaufdatum, in diesem Fall den März 2014. Der Leerverkauf kann solange wie möglich offen gehalten werden, wenn es gegeben ist, dass der Händler sich höhere Margin leisten kann wenn der Aktienkurs steigt.

Anwendung – Wer sollte sie wann nutzen?

Aufgrund ihrer vielen Risiken sollten Leerverkäufe nur von anspruchsvollen Händlern verwendet werden, die mit den Risiken und Regularien vertraut sind. Das Kaufen von Puts ist viel besser geeignet für den Durschnittsinvestor als Leerverkäufe, da es ein begrenztes Risiko gibt.

Für einen erfahrenen Anleger oder Händler, hängt es von einer Anzahl von Faktoren ab, ob der Leerverkauf oder eine Put-Option als bärische Strategie verwendet wird – Investitionswissen, Risikobereitschaft, Geldmenge, Spekulation vs. Absicherung, etc.
Trotz ihrer Risiken sind Leerverkäufe eine angemessene Strategie während ausgedehnten Börsenbaisse, da Aktien schneller zurückgehen als zunehmen.

Leerverkäufe trägt weniger Risiko mit sich, wenn die Wertpapiere, die gekürzt werden ein Index oder ETF sind, da das Risiko von unkontrollierten Gewinnen bei diesen niedriger ist als bei individuellen Aktien.

Puts sind besonders gut geeignet um das Risiko des Rückgangs eines Portfolios oder einer Aktie abzusichern, da das schlimmste was passieren kann ist, dass der Put Zusatzgewinn verloren geht, weil der antizipierte Rückgang nicht eintrifft.

Implizite Volatilität ist ein sehr wichtiges Kriterium beim Kauf von Optionen. Der Kauf von Puts von extrem volatilen Aktien erfordert vielleicht das Zahlen von exorbitanten Premien, also stellen Sie sicher, dass der Kauf dieser Schutzmaßnahmen durch das Risiko für das Portfolio gerechtfertigt ist.

 

Zusammenfassung

Leerverkäufe und der Gebrauch von Puts sind verschiedene und getrennte Wege um bärische Strategien umzusetzen. Beide haben Vor- und Nachteile und können effektiv genutzt werden um in verschiedenen Szenarien Abzusichern oder zu spekulieren

 

 

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