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Depot-Absicherung durch Stop-Loss-Marken

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Viele Börsenexperten versprechen Ihnen, dass es eine „Wunderwaffe“ gegen hohe Kursverluste an der Börse gibt. Es wird Ihnen empfohlen, konsequent automatische Stop-Loss-Marken zur Verlustbegrenzung oder Gewinnabsicherung zu setzen.

Ich muss Sie an dieser Stelle leider enttäuschen: Die Erfahrungen aus der täglichen Börsenarbeit zeigen, dass es keinen 100%-Risiko-Schutz gibt und nicht einmal theoretisch geben kann. Wer Wertpapiere an der Börse kauft, muss einige Risiken mit einkalkulieren. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie die Risiken minimieren können, aber einen 100%-Schutz kann und will ich Ihnen nicht versprechen.

Das bedeutet nicht, dass Absicherungsstrategien überflüssig sind. Im Gegenteil! Sie können viele Verlust-Risiken erfolgreich bekämpfen. Ein wichtiger Baustein ist die Absicherungsstrategie mit Stop-Loss-Marken.

So funktioniert die Stop-Loss-Order

Eine Stop-Loss-Order ist ein ganz spezieller Verkaufsauftrag, den Sie Ihrer Depot-Bank mitteilen. Wenn ein festgelegter Aktien-Kurs erreicht oder unterschritten wird, kommt es automatisch zu einem Verkauf Ihrer so abgesicherten Aktien-Position im Depot.

Ein Beispiel: Die Aktie notiert bei 10 Euro und Sie setzen zur Absicherung bei 8 Euro eine Stop-Loss-Verkaufsorder bei Ihrer Depot-Bank. Sobald dann der Kurs der Aktie auf 8 Euro (oder tiefer) fällt, wird die Aktie automatisch zum nächsten Kurs an der Börse verkauft. So wird das Abwärtspotenzial im Normalfall auf rund 20% begrenzt (Differenz zwischen 10 und 8 Euro).

Mit einem solchen Kursabschlag können Sie als Anleger (noch) leben. Es wird im Regelfall verhindert, dass das Minus auf 50 oder 70% steigt, wenn der Aktienkurs weiter fällt. Jetzt aber die Einschränkung, die Ihnen viele Börsenexperten und Bankberater verschweigen: Der automatische Verkauf erfolgt – es wird aber nicht gesagt, zu welchen Konditionen!

Die Börse ist ein Markt. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wenn nach der Aktivierung der Stop-Loss-Marke die nächste Nachfrage erst bei einem Kursniveau 50% unter dem alten Kurs vorhanden ist, erhalten Sie auch nur diesen Preis. Sie haben kein Recht darauf, dass Ihre Aktien zum Stop-Loss-Preis verkauft werden.

Wann sich der Einsatz von Stop-Loss-Marken lohnt

Sollte jede Depot-Position mit einer Stop-Loss-Order abgesichert werden? Meine persönliche Einschätzung lautet: Wenn Sie ein Wertpapier für attraktiv, aber nicht sehr sicher halten, sollten Sie die Position absichern. Bei Top-Unternehmen können Sie aber auch darauf verzichten.

Oder noch besser: in Crash-Phasen diese Positionen nicht verkaufen, sondern sogar aufstocken! Jede Aktie ist eine Beteiligung an einem Unternehmen. Nehmen wir an, Sie besitzen 50% der Aktien eines Unternehmens. Sie sind Mitbesitzer einer Aktiengesellschaft, die an der Börse 100.000 Euro kostet.

Aufgrund einer Konjunkturschwäche sinken die Unternehmensgewinne kurzfristig um 25% und auch der Aktienkurs (der Wert des Unternehmens) sinkt um 25%. Da die Konjunkturschwäche auch noch nicht überstanden ist, kann die Marktkapitalisierung an der Börse sogar auf 50.000 Euro fallen.

Gleichzeitig wissen Sie aber, dass das Unternehmen im Kern gesund ist und in 2 bis 3 Jahren an der Börse mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder 100.000 oder sogar 125.000 Euro kosten wird, da die Gewinne im nächsten Aufschwung stark steigen.

Wie würden Sie reagieren? Würden Sie Ihre Unternehmensbeteiligung automatisch verkaufen, wenn der Wert um 25% gefallen ist? Meine Einschätzung: 9 von 10 Investoren würden nicht verkaufen, sondern die Schwächephase nutzen, um den eigenen Anteil am Unternehmen weiter auszubauen.

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