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Rolf Morrien

Den Gold-Standard Wiederaufgreifen

Robert Sasse

Robert Sasse

„Wir haben Gold, weil wir den Regierungen nicht trauen können.“ Präsident Hoovers Aussage  im Jahr 1933 zu Franklin D. Roosevelt sah eine der drakonischsten Ereignisse der amerikanischen Finanzgeschichte voraus: Der „Emergency Banking Act“ geschah im selben Jahr und zwang alle Amerikaner dazu ihre Goldmünzen, Barren und Zertifikate in US-Dollar zu wandeln. Obwohl der Act erfolgreich den Wegfluss des Goldes während der Großen Depression stoppte, veränderte er nicht die Überzeugung derer, die immer in die Stabilität des Goldes als eine Quelle des Wohlstands vertrauten.

Bevor sie In Gold investieren, müssen sie seine Geschichte verstehen – Eine Geschichte, welche heutzutage einen einzigartigen Einfluss auf seine eigene Nachfrage und Angebot hat. „Gold Bugs“ hängen immer noch an einer Vergangenheit in der Gold der König war. Aber die Vergangenheit des Golds beinhaltet auch einen Fall, welcher verstanden werden muss um seine Zukunft richtig zu beurteilen.

Eine Liebesbeziehung, die 5000 Jahre dauert

Seit 5000 Jahren hat die Kombination des Goldes aus Brillianz, Formbarkeit, Dichte und Seltenheit, wie kein anderes Metall, die Menschheit in seinen Bann gezogen. Laut Peter Bernsteins Buch „Die Macht des Golds: Die Geschichte der Besessenheit“, ist Gold so dicht, dass eine Tonne davon in einen Kubikfuß gepackt werden kann.

Zu Beginn dieser Besessenheit wurde Gold nur zur Anbetung verwendet. Ein Besuch bei einer der weltweiten antiken heiligen Stätten zeigt dies. Heute ist Gold am meisten im Gebrauch zur Manufaktur von Schmuck.

Ungefähr 700 Jahre v. Chr. Wurde Gold zum ersten mal in Münzen umgewandelt, was seine Verwendungszwecke als Geldeinheit erweiterte: Davor wurde Gold vor einem Handel gewogen und auf Reinheit überprüft.

Goldmünzen, jedoch, waren die perfekte Lösung, da es für Jahrhunderte danach noch gebräuchlich war die irregulären Münzen so zusammenzulegen, dass sie als ein Ganzes zu einem Goldbarren geschmolzen werden konnten. In 1696 wurde in England allerdings eine Technologie eingeführt, welche die Produktion von Münzen automatisierte.

Da der Goldvorrat sich nicht immer auf zusätzliche Lieferungen aus der Erde verlassen konnte, expandierte er nur durch Deflation, Handel, Plünderung oder Entwertung.

Die Entdeckung Amerikas im 15. Jahrhundert lieferte den ersten großen Goldrausch. Die Plünderungen der Schätze aus der Neuen Welt durch die Spanier erhöhte den Goldvorrat Europas ums fünffache im 16. Jahrhundert. Anschließende Goldräusche in Amerika, Australien und Südafrika  fanden im 19. Jahrhundert statt.

Europas Einführung des Geldpapiers geschah im 16. Jahrhundert, mit dem Gebrauch von Schuldeninstrumenten, welche von privaten Parteien herausgegeben wurden. Obwohl Goldmünzen und Barren weiterhin das Währungssystem Europas zu dominieren, dauerte es nicht einmal bis zum 18. Jahrhundert, dass das Papiergeld anfing zu dominieren. Der Kampf zwischen Papiergeld und Gold resultierte letztendlich in der Einführung eines Gold-Standards.

Der Aufstieg des Goldstandards

Der Goldstandart ist ein Währungssystem, bei dem Geldpapier frei umwandelbar in eine festgelegte Menge an Gold ist. In anderen Worten: In einem solchen Währungssystem stützt das Gold den Geldwert. Zwischen 1696 und 1812, begann die Entwicklung und Formalisierung des Goldstandards, da die Einführung des Papiergeldes einige Probleme darstellte.

In 1797 suspendierte die „Restriction Bill“ in England die Konvertierung von Geldnoten in Gold, aufgrund der durch das Papiergeld kreierten zu hohen Kredite. Außerdem stellten konstante Vorratsunregelmäßigkeiten zwischen Gold und Silber die englische Wirtschaft vor große Probleme. Ein Goldstandard wurde benötigt um eine notwendige Geldkontrolle einzuführen.

In 1821 wurde England das erste Land, welches offiziell einen Goldstandard annahm. Die dramatische Steigerung des Welthandels und Produktion in diesem Jahrhundert brachte große Goldentdeckungen mit sich, welche dem Goldstandard dabei halfen auch im nächsten Jahrhundert intakt zu bleiben. Nachdem alle Handelsunverhältnismäßigkeiten zwischen den Nationen mit Gold geregelt worden waren, hatten die Regierungen den starken Anreiz ihr Geld für schwierigere Zeiten zu lagern. Diese Lager existieren noch heute.

Der internationale Goldstand trat zum Vorschein, nachdem er 1871 von Deutschland aufgenommen wurde. Bis 1900 war der Großteil aller entwickelter Nationen mit dem Goldstandard verknüpft. Ironischerweise, waren die Vereinigten Staaten eins der letzten Länder, die daran teilnahmen.

Von 1871 bis 1914 war der Goldstandard auf seiner Spitze. In dieser Periode herrschten fast ideale Politische Verhältnisse in der Welt. Regierungen arbeiteten sehr gut zusammen um das System laufen zu lassen, aber all das änderte sich für immer mit dem Ausbruch des Großen Krieges in 1914.

Der Sturz des Goldstandards

Mit dem großen Krieg, veränderten sich politische Allianzen, die internationale Verschuldung stieg und die Finanzen der Regierungen ließen nach. Da der Goldstandard nicht suspendiert wurde, war er im Krieg in der Schwebe und demonstrierte seine Unfähigkeit in guten und schlechten Zeiten aufrecht zu bleiben. Dies kreierte fehlendes Vertrauen in den Goldstandard, welcher ökonomische Schwierigkeiten nur verschärfte. Es wurde immer eindeutiger, dass die Welt etwas flexibleres brauchte, worauf sie die globale Ökonomie stützen konnte.


Zur selben Zeit blieb aber in vielen Nationen das Verlangen zu den idyllischen Jahren des Goldstandards zurückzukehren. Nachdem die Goldvorräte weiterhin hinter dem Wachstum der Weltwirtschaft hinkte wurden das britische Pfund und der US-Dollar die globale Reservewährung. Kleinere Länder begannen anstatt von Gold mehr dieser Währungen zu halten.

Der Börsencrash von 1929 war nur einer der Nachkriegsprobleme der Welt. Der Pfund und die französischen Franken waren total falsch ausgerichtet; Kriegsschulden und Wiedereinbürgerungen erstickten Deutschland weiterhin; die Güterpreise brachen zusammen; und Banken waren überfordert. Viele Länder beschützten ihre Goldaktien indem sie ihre Zinssätze erhöhten um ihre Lager intakt zu halten, anstatt sie in Gold zu wechseln. Diese hohen Zinsraten verschlimmerten allerdings nur alles für die Weltwirtschaft und dann, 1931, wurde der Goldstandard in England suspendiert, was nur die USA und Frankreich mit großen Goldreserven übrige ließ.

Dann im Jahr 1934 bewertete die US-Regierung Gold neu von einem Wert von 20,67$/Unze zu 35,00$/Unze und erhöhte somit den Betrag des Geldpapieres der zum Kauf einer Unze benötigt wird um seiner eigenen Wirtschaft zu helfen. Da andere Nationen ihre existierenden Goldbestände in US-Dollar wechseln konnten  kam es zu einer dramatischen Entwertung des Dollars. Dieser hohe Goldpreis erhöhte die Umwandlung von Gold in US-Dollar sehr effektiv, was den Vereinigten Staaten erlaubte den Goldmarkt zu zu kontrollieren. Die Goldproduktion stieg so schnell an, dass es bis 1939 genug gab um alle weltweiten Währungen zu ersetzen.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges kamen die führenden westlichen Kräfte zusammen um das Bretton Woods Agreement zusammenzustellen, welches bis 1971 der Rahmen für die weltweiten Währungsmärkte wurde. Am Ende des Krieges, besaß die USA 75% des gesamten Goldanteils der Welt und der Dollar war die einzige Währung die noch direkt vom Gold gestützt wurde.

Aber da die Welt sich nach dem 2. Weltkrieg wieder selbst aufbaute, sah die USA seine Goldreserven immer weiter stürzen, da das Geld floss um vom Krieg zerrütteten Nationen zu helfen aber auch um eigene Importe zu bezahlen. Die hohe Inflation in den späten 1960ern nach dem Goldstandard die letzte Luft.

In 1968, stoppte ein Goldpool, welcher die USA und viele weitere europäische Staaten miteinbezog, den Verkauf von Gold auf dem Londoner Markt, was dem Markt erlaubte den Goldpreis frei zu bestimmen. Von 1968 bis 1971 konnten nur Zentralbanken mit der USA, für 35$/Unze handeln. Schlussendlich starb 1971 auch dieses letzte Bisschen von Goldaustauschbarkeit. Gold war endlich frei.

Zusammenfassung

Obwohl Gold die Menschheit für 5000 Jahre faszinierte, war es nicht immer ein Garant für Wohlstand. Ein wirklicher internationaler Goldstandard existierte für weniger als 50 Jahre (1871 bis 1914) – in einer Zeit des Weltfriedens, welcher zufällig mit einem dramatischen Wachstums des Goldvorrats einherging. Aber der Goldstandart war das Symptom und nicht die Ursache für diesen Frieden.

Die Vorfälle des Großen Krieges veränderten die politischen, finanziellen und sozialen Weltstrukturen – der internationale Goldstandard konnte nicht mehr bestehen. Obwohl ein Goldstandard der kleineren Form bis 1971 bestand, startete der Tod schon Jahrzehnte vorher mit der Einführung von Papiergeld – ein viel flexibleres Instrument für unsere komplexe Finanzwelt.

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