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Binäre Optionen: Ein für Privatanleger (zumeist) gefährlicher neuer Trend

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Seit einiger Zeit ist der Markt für Finanz-Derivate auch in Deutschland um eine Variante reicher. Es handelt sich dabei um die sogenannten “binären Optionen”. Eine binäre Option ist ein Finanzderivat, das von Optionen abgeleitet ist und zu den exotischen Optionen zählt.

Schon allein der letztgenannte Fakt sollte Privatanleger wohl im Normalfall eher abschrecken – tut es offensichtlich in vielen Fällen aber nicht. Denn der Handel mir binären Optionen scheint derzeit zu florieren. Anders lässt sich – zumindest für mich – die Vielzahl der Anbieter, die augenblicklich wie Pilze aus dem Boden sprießen, nicht erklären.

Zu der steigenden Anzahl der Anbieter kommt noch die drastisch steigende Anzahl der Werbeschaltungen für diese Anbieter auf den einschlägigen Webseiten, die sicherlich nicht in dieser Fülle vorhanden wäre, wenn sich nicht eine ausreichende Anzahl an “Opfern” finden ließe und das Geschäft für die Anbieter nicht besonders einträglich wäre.

Was binäre Optionen sind und wie sie funktionieren

Binäre Optionen sind unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass nur zwei Szenarien eintreten können: Tritt ein zuvor definiertes Ereignis ein, erhält der Käufer einen festgelegten Betrag, andernfalls verfällt die Option wertlos. Das bedeutet, dass der Anleger entweder einen ordentlichen Gewinn erzielt oder der Einsatz komplett futsch ist.

Als Basiswerte für binäre Optionen kommen – wie bei klassischen Optionsscheinen auch – Indizes, Aktien, Währungspaare oder auch Rohstoffe in Frage. Es kann dann auf fallende oder steigende Kurse spekuliert werden. Ebenso wie bei klassischen Optionsscheinen existieren binäre Kaufs- und Verkaufsoptionen in amerikanischer und europäischer Variante.

Anfänge und Verbreitung binärer Optionen

2007 hatte die US-amerikanische Options Clearing Corporation vorgeschlagen, diese Optionen zu erlauben. Die Securities and Exchange Commission hat daraufhin Cash-Or-Nothing Binäroptionen im Jahr 2008 erlaubt. Seit Mai 2008 bietet der American Stock Exchange (Amex) Europäische cash-or-nothing Binäroptionen an. Die Standardisierung von binären Optionen bildet die Basis für den Handel an der amerikanischen Börse mit laufender Quotierung des Preises.

Binäre Optionen werden auch im außerbörslichen OTC (over the counter)-Handel angeboten. In Zypern und Malta wurden diese Produkte bereits von den Finanzbehörden reguliert. Die beiden Länder sind damit die ersten, die binäre Optionen als Finanzinstrumente im Sinne der EU-Richtlinie MiFiD gesetzlich regeln. In Malta fielen binäre Optionen davor in die Zuständigkeit der Glücksspielbehörde.

Ihnen gegenüber sitzt bei solchen Geschäften nur der Broker

Ähnlich wie bei CFDs (Contracts for Difference) handelt es sich bei binären Optionen nicht um Wertpapiere, wie Aktien, Anleihen oder Zertifikate. Vielmehr ist es so, dass CFDs und binäre Optionen eine Vereinbarung mit dem Emittenten (Anbieter) darstellen, der mit den Produkten einen Markt abbildet.

Die Besonderheit: Es gibt – anders als bei den klassischen Aktien- oder Terminmärkten – keinen Handelspartner am Markt, sondern nur den Broker, der auch gleichzeitig Anbieter der “Wette” ist.

Neben einigen seriösen Anbietern gibt es viele “undurchsichtige” Anbieter

Auf dem Markt für binäre Optionen tummeln sich – wie eingangs schon angedeutet – mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern und es scheinen fast täglich mehr zu werden. Neben seriösen Anbietern wie IG Markets, die vor allem auch im CFD-Handel sehr aktiv sind, strömen immer mehr Anbieter mit – sagen wir mal vorsichtig – relativ undurchsichtigen Angeboten auf den Markt.

So wirbt zum Beispiel “Anyoption” auf einer bunten Einstiegsseite im Internet mit “sieben Gründen” für den Handel mit Binär-Optionen, den hohen Profiten und niedrigen Kosten bei Wetten auf den DAX oder verschiedene Aktien.

Als Alleinstellungsmerkmal stellt die Plattform ein kontrolliertes Risiko heraus. Wenn Sie als Anleger bei einer Wette auf das falsche Pferd gesetzt haben, verlieren Sie den Angaben von “Anyoption” zufolge nicht 100%, sondern “nur” 85%.

Doch allein der “Spread” zwischen dem maximalen Verlust und dem maximalen Gewinn zeigt allerdings, dass Investoren mit ihren Annahmen schon deutlich häufiger richtig als falsch liegen müssen, wenn sie das Spielfeld der binären Optionen als Gewinner verlassen wollen. Denn: Bei “Anyoptions” beträgt der maximale Gewinn nämlich nur 71%.

Fazit: Binäre Optionen für Privatanleger eher ungeeignet

Aus meiner Sicht sind binäre Optionen für Privatanleger eher ungeeignet – zumindest dann, wenn diese keinen ausgeprägten Hang zum Glücksspiel haben. Wenn Sie mit binären Optionen handeln wollen, sollte Ihnen in jedem Fall bewusst sein, dass es sich dabei letztlich um Glücksspiel handelt und dass Sie entweder gute Gewinne erzielen oder Ihren Einsatz komplett verlieren.

Einen weiteren Tipp habe ich noch für Sie: Meiden Sie Anbieter, die “nur” binäre Optionen anbieten und sehen Sie sich im www nach Erfahrungsberichten um, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden.

 

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