Buchtipp des Monats
Buch
ARCHIV
THEMEN
Rolf Morrien

Billigzinsen für Anleger und Wucher bei Dispozinsen

Yannick_Esters_Profil

Yannick Esters

Gestern Abend war es mal wieder soweit: Die US-Notenbank hat ihr jüngstes Sitzungsprotokoll veröffentlicht. Es war am Aktienmarkt mit Spannung erwartet worden, erhoffte man sich doch klare Aussagen über die Fortdauer der Anleihekäufe durch die Notenbank. Doch was herauskam, war an Unklarheit kaum zu überbieten. Für die Märkte war das Wischiwaschi am Ende aber doch genau richtig, denn sie reagierten positiv auf die Aussagen der Fed.

Anleihekäufe enden – irgendwann!

Kommt die Drosselung der Anleihekäufe durch die Fed im September oder kommt sie nicht? Wer eine eindeutige Antwort auf diese Frage wollte, wurde herbe enttäuscht. Doch eines wurde klar: Die zwölf Mitglieder des Offenmarktausschusses sind in ihrer Einschätzung der US-Konjunktur zwiegespalten. Während ein Teil der Ausschussmitglieder die Käufe “bald ein wenig” drosseln möchte, sprach sich ein anderer Teil zur Geduld beim Herunterfahren der monatlichen Stützungsmaßnahmen aus. Die Aussagen der Notenbanker bieten somit einiges an Interpretierungsspielraum. Klar ist: Derzeit kauft die US-Notenbank Monat für Monat Staatsanleihen im Wert von 85 Mrd. Dollar auf und stützt so die amerikanische Wirtschaft. Und ebenso klar ist auch: Abhängig von der Entwicklung der Konjunktur werden die Anleihekäufe Mitte 2014 eingestellt. Unklar ist lediglich der Beginn der Drosselung. Schaut man auf den Markt ist aber auch klar: Sollte die Drosselung im September beginnen, wäre das keine Überraschung mehr. Vielmehr ist diese Aktion eingepreist.

Billigzinsen wohin man schaut

Abseits der Stützungsmaßnahmen der US-Notenbank wird eines inzwischen fast vergessen: Die Leitzinsen sind auf historischen Tiefstständen. Und das weltweit. Weder die Fed, noch die Europäische Zentralbank noch die Bank of England oder die Bank of Japan werden in absehbarer Zeit eine Zinswende einleiten. Stattdessen werden die Märkte weiter mit Geld überschwemmt. Doch auf Dauer dürfte das Spiel nicht ohne Folgen bleiben. Zwar sind die Inflationsraten in vielen Ländern noch überschaubar niedrig. Doch mit klassischen Anlageformen werden kaum noch die Inflationsraten übersteigenden Verzinsungen erreicht. Stattdessen erleben einzelne Anlageklassen satte Preissprünge. Jüngst konnte man es an den gestiegenen Lebensmittelpreisen in Deutschland sehen. Ein anderes Beispiel sind Immobilienpreise und Mieten. In Summe werden die Preissteigerungen dort noch durch günstigere Preise in anderen Lebensbereichen ausgeglichen. Doch das muss nicht auf Dauer so bleiben. Für Anleger heißt es da ganz genau hinzuschauen.

Hohe Zinsen? Nur für Verbraucher

Untersucht man die Auswirkungen der Billigzinsen weiter, fällt eine Entwicklung besonders ins Auge: Bankkunden zahlen bis zu 14,75 Prozent Dispozinsen, wenn sie ihr Konto überziehen. Und das, obwohl sich Banken und Sparkassen für nur 0,5 Prozent Zinsen Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Die Stiftung Warentest hat für ihre Zeitschrift Finanztest flächendeckend die Dispozinsen der 1538 Banken in Deutschland ermittelt und Unterschiede von mehr als 10 Prozentpunkten festgestellt. Die größten Abzocker sind die kleinen Banken in ländlichen Gebieten. So verlangt etwa eine Volksbank aus dem hessischen einen Dispozinssatz von 14,75 Prozent – bundesweiter Rekord, aber kein Einzelfall: 119 Banken kassieren Dispozinsen von 13 Prozent und mehr. Im Schnitt hat die Stiftung Warentest einen Zinssatz von 11,31 Prozent ermittelt. Wie sehr sich das Geschäft lohnt, zeigen diese Zahlen: Das Kreditvolumen für Überziehungskredite beträgt aktuell knapp 39 Mrd. Euro. Und hier spült jeder Prozentpunkt mehr knapp 390 Mio. Euro in die Kassen der Banken. Als Anleger wünscht man sich da fast eine Bank zu sein. Aber es braucht sich auch niemand zu grämen, am Aktienmarkt gibt es ja auch so ordentliche Rendite.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
Diesen Artikel weiterempfehlen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bulle
Geldanlage Empfehlung
Infografik der Woche
Teaser