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Bilanz-Serie – Teil 6: Aktiv- und Passivseite einer Bilanz

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Ich stelle Ihnen jetzt im 6. und letzten Teil meiner Bilanzserie die Grundzüge von Bilanzen dar und versuche Ihnen einen groben Überblick über die Aktiv- und Passivseite von Bilanzen zu geben.

Sie werden die wichtigsten Bilanzpositionen der beiden Seiten einer Bilanz kennenlernen und hoffentlich nach der Lektüre einen groben Überblick über den Inhalt und die Funktionsweise einer Bilanz haben.

Wichtige Grundzüge einer Unternehmensbilanz

Eine Bilanz ist eine auf einen Stichtag bezogene Gegenüberstellung. Auf der einen Seite dieser Gegenüberstellung werden die Vermögensgegenstände aufgeführt (Aktivseite) und auf der anderen Seite (Passivseite) wird die Herkunft der Mittel aufgeschlüsselt, mit denen die Vermögensgegenstände auf der Aktivseite erworben worden sind.

Per Definition müssen beide Seiten einer Bilanz stets gleich groß sein, denn jeder Vermögensgegenstand auf der Aktivseite muss durch Eigen- oder Fremdkapital auf der Passivseite finanziert sein.

Mit gleich groß ist übrigens die Bilanzsumme gemeint. Wenn auf der Aktivseite unter dem Strich ein Betrag von 1 Mio. Euro steht, so muss auch auf der Passivseite unter dem Strich ein Betrag in gleicher Höhe stehen.

Da sich auch die Bilanzpositionen Kasse und Bank auf der Aktivseite der Bilanz befinden, bleibt die Bilanz auch dann im Gleichgewicht, wenn etwa mehr Finanzmittel aufgenommen als unmittelbar für Investitionen benötigt werden.

Denn: Wenn das Eigenkapital oder das Fremdkapital zunimmt und dieses Geld nicht unmittelbar investiert wird, so landet es zunächst in der Kasse (dort befinden sich Barmittel) oder wird unter der Bilanzposition Bank verbucht (dort wird Bankguthaben angezeigt).

Aktiv- und Passivseite einer Bilanz

Einen groben Überblick über den Aufbau einer Bilanz dürften Sie jetzt haben. Doch was bedeuten die einzelnen Positionen einer Bilanz? Auch wenn dieses Rechenwerk für ungeübte Leser auf den ersten Blick wie ein „Buch mit sieben Siegeln“ aussieht – mit ein wenig Zeitaufwand erhalten Sie ein recht detailliertes Bild des Unternehmens.

Beginnen wir mit der Aktivseite der Bilanz: Zunächst wird die Bilanz (auf der Aktiv- und Passivseite) nach Fristigkeiten unterteilt, sodass auf der Aktivseite zwischen langfristigen (Anlagevermögen) und kurzfristigen Vermögensgegenständen (Umlaufvermögen) unterschieden werden kann.

Bei Fristigkeiten von mehr als einem Jahr handelt es sich um langfristige Vermögensgegenstände. Zudem wird zwischen immateriellen Vermögensgegenständen (z. B. Patente), Sachanlagen (z. B. Grundstücke und Gebäude) und Finanzanlagen (dauerhaft im Besitz befindliche Wertpapiere) unterschieden.

Zum Umlaufvermögen eines Unternehmens zählen alle Güter, die nur vorübergehend im Unternehmen bleiben sollen. Dazu zählen beispielsweise Vorräte und Forderungen. Weiterhin befinden sich flüssige Mittel auf der Aktivseite der Bilanz, zu denen u.a. Wertpapiere, Guthaben bei Banken und der Kassenbestand zählen.

Auch die Passivseite einer Bilanz wird nach Fristigkeiten gegliedert. Da Eigenkapital dem Unternehmen theoretisch unendlich zur Verfügung steht, hat dieses per Definition eine längere Laufzeit als Fremdkapital, was als Schulden (lang- bzw. kurzfristig) gekennzeichnet ist.

Innerhalb des Fremdkapitals wird bei den Fristigkeiten zwischen Rückstellungen und Verbindlichkeiten (Schulden) differenziert. Rückstellungen sind bei den Managern in Deutschland aus mehreren Gründen besonders beliebt:

Sie unterliegen nicht wie thesaurierte (einbehaltene) Gewinne der Körperschaftsteuer. Es ist deshalb für eine Aktiengesellschaft interessant, einen Teil des Gewinns so lange wie möglich als Rückstellung zu verbuchen und diese erst so spät wie möglich gewinnerhöhend aufzulösen.

Dadurch wird die Zahlung der Körperschaftsteuer hinausgeschoben und der Steuerbetrag steht dem Unternehmen noch eine Zeit lang für Investitionszwecke zur Verfügung. Durch eine erhöhte oder verminderte Dotierung der Rückstellungen kann eine gewisse Glättung des Unternehmensgewinns über die Zeit erreicht werden.

Dadurch wird einerseits eine kontinuierliche Dividendenzahlung ermöglicht und andererseits für eine bestimmte Zeit das „Verstecken“ von Verlusten durch Auflösung oder geringere Dotierung der Rückstellungen.

 

Fazit: Ein Unternehmen kann den Gewinn legal nach oben und unten korrigieren. Dadurch gibt es häufig „Punktlandungen“ bei den Jahresprognosen. Auf Dauer kann das Management die echte Geschäftslage jedoch nicht überdecken. Daher lohnt sich die Lektüre für Sie als Aktionär.

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