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Bilanz-Serie – Teil 1: Kapitalstruktur und Eigenkapitalquote

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Eine Zahl kann mehr als tausend Worte sagen. Unter diesem Motto steht mein heutiger Beitrag. In der vergangenen Woche habe ich Ihnen über die sogenannte Fundamentalanalyse berichtet. Diese ist wiederum elementarer Grundstein der Value-Strategie, mit der Investoren wie Warren Buffett seit Jahrzehnten überdurchschnittliche Erfolge erzielen.

Value Investoren sind ständig auf der Suche nach unterbewerteten Aktien. Aber was sind unterbewertete Aktien und wie finde ich diese? Von einer unterbewerteten Aktie sprechen Value-Anleger dann, wenn der fundamentale Wert einer Aktie geringer ist als der aktuelle Börsenwert dieser Aktie. Die fundamentale Aktienanalyse versucht mit der Berechnung von Kennzahlen, einzelne für die Bewertung von Aktien wichtige Kriterien auf den Punkt zu bringen.

Mit möglichst einer einzigen Kennzahl sollen bestimmte Eigenschaften eines Unternehmens dargestellt werden. Diese Kennzahlen messen vor allem Kapital- und Vermögensstruktur, Liquidität und Rentabilität von Aktiengesellschaften. Wichtig dabei ist, dass Sie immer beachten, dass es länder- und branchenspezifische Besonderheiten gibt. Deshalb können länder- und branchenübergreifende Analysen nicht immer 1:1 miteinander verglichen werden.

Entscheidend ist letztlich auch nicht, ob jede einzelne Kennzahl sehr gut ist, sondern, dass das fundamentale Gesamtbild sehr gut ist. Um Sie in die Lage zu versetzen, künftig selbst (zumindest eine grobe) fundamentale Einschätzung eines Unternehmens vornehmen zu können, werde ich Ihnen heute im ersten Teil unserer neuen Serie rund um Bilanzen und Bilanzkennzahlen die ersten Bilanzkennzahlen samt Musterrechnung vorstellen.

Kapitalstruktur und Eigenkapitalquote

Eine überaus wichtige Kennzahl zur Messung der Kapitalstruktur ist die Eigenkapitalquote (EK-Quote). Diese Quote drückt den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme aus. Das Eigenkapital wiederum ist die Summe aus gezeichnetem Kapital und Rücklagen – also das Geld, das auch dem Unternehmen gehört und nicht geliehen werden muss.

Die Formel zur Berechnung sieht wie folgt aus:

Eigenkapital

———————— x 100 = EK-Quote (in %)

Bilanzsumme

Ein konkretes Zahlenbeispiel:

Ein Unternehmen hat ein gezeichnetes Kapital von 2.000.000 Euro, Rücklagen in Höhe von 200.000 Euro und eine Bilanzsumme von 4.000.000 Euro.

Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:

(2.000.000 + 200.000)

————————— x 100 = 55%

4.000.000

Das Eigenkapital ist bei einer Aktiengesellschaft das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Kapital. Daher haben Sie als Aktionär einen Anspruch auf den anteiligen Gewinn des Unternehmens. Sehr wichtig für Sie als Anleger: Je höher die Eigenkapitalquote, desto weiter ist ein Unternehmen von einem Konkurs wegen Überschuldung entfernt.

Zudem ist ein Unternehmen mit einer höheren Eigenkapitalquote weniger abhängig von Banken als eines mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Eine sehr niedrige Eigenkapitalquote (unter 10 bis 20% der Bilanzsumme) ist ein relativ zuverlässiges Zeichen für ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Unternehmens.

Allerdings wird die Beurteilung der Eigenkapitalquote dadurch erschwert, dass eine optimale Eigenkapitalquote nicht für alle Unternehmen gleich ist. Sie sollten daher stets die EK-Quote des von Ihnen begutachteten Unternehmens mit der durchschnittlichen EK-Quote der Branche, in der das Unternehmen tätig ist, vergleichen.

Im Finanzsektor zum Beispiel sind niedrige Quoten normal, während in der Softwarebranche hohe EK-Quoten üblich sind. Es kann jedoch auch innerhalb der Branchen größere Abweichungen geben, ohne dass dies zwingend ein Alarmzeichen sein muss. Wichtig ist auch stets die Entwicklung der EK-Quote im zeitlichen Verlauf.

 

Ausblick: Morgen widmen wir uns im zweiten Teil dieser Serie der Vermögensstruktur und Anlageintensität sowie der Kapital-Vermögens-Struktur.

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