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Apple und co. und die Aktienrückkäufe

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Apple verfügt aktuell über Barreserven in Höhe von rund 150 Mrd. US-Dollar. 60 Mrd. US-Dollar will Apple in den Rückkauf eigener Aktien investieren.

Für Hedgefonds-Manager und Apple-Großaktionär Carl Icahn ist das jedoch zu wenig. Er fordert, dass Apple einen deutlich größeren Teil der Barreserven in Aktienrückkäufe investiert.

Bill Gross, Chef des bis vor kurzem größten Anleihefonds der Welt, sieht das völlig anders. Er fordert, dass Apple das Geld lieber in neue Produkte, Fabriken und die Zukunft des Konzerns investieren soll, statt Kurspflege für Aktionäre zu betreiben.

Die Gründe für Aktienrückkäufe

Es gibt viele Gründe für den Rückkauf von Aktien. Ein möglicher Grund ist, Aktien zurückzukaufen, um diese dann zu Motivationszwecken an eigene Mitarbeiter weiterzugeben.

Ein weiterer Grund ist, dass das Unternehmen Aktien einsammelt, um diese dann bei der Übernahme eines Konkurrenten als “Übernahme-Währung” zu verwenden.

Bei Apple wird als Hauptgrund jedoch ein anderer gesehen: Die Höhe der Barreserven ist derart hoch, dass das Unternehmen ohne ein finanzielles Risiko eingehen zu müssen, mit Teilen der Barreserve den Aktionären durch die aus dem Rückkaufprogramm resultierende Kurspflege ein “Geschenk” (der Aktienkurs steigt) machen kann.

Mögliche Schattenseiten von Aktienrückkäufen

Bevor ich Ihnen ein konkretes Beispiel liefere, möchte ich Ihnen zunächst allgemein die Schattenseiten von Aktienrückkäufen schildern.

Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft, muss es dafür logischerweise finanzielle Mittel aufbringen. Dies kann zulasten künftiger Investitionen geschehen.

Das bedeutet, dass dem Unternehmen möglicherweise in Folge des Aktienrückkaufprogramms Geld für notwendige Investitionen fehlt. Eine zu geringe Investitionsquote bedeutet: Zukünftig weniger Umsatz und Gewinn. Das kann nicht im Sinne der Aktionäre (Eigentümer) sein.

Aber nicht nur für Investitionen kann dadurch Geld fehlen. Auch wenn das Unternehmen im Zuge einer allgemeinen Wirtschaftskrise oder zumindest einer Branchenkrise in finanzielle Schwierigkeiten gerät, können dadurch Rücklagen fehlen.

Der zuletzt beschriebene Fall liefert eine perfekte Überleitung zu unserem Musterbeispiel.

Die Bankenbranche als Negativbeispiel

Als es den Banken vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 wirtschaftlich sehr gut ging, haben diese im großen Stil eigene Aktien zurückgekauft. Dadurch wurde Eigenkapital aufgezehrt, das im Zuge der Finanzkrise sehr hilfreich gewesen wäre.

Denn wenn die Eigenkapitalbasis der Banken größer gewesen wäre, hätten Sie nicht mit Ihren Steuergeldern einige der Banken vor dem Ruin retten müssen. Zumindest jedoch wäre der Staat – und somit in der Konsequenz der Steuerzahler – weniger stark belastet worden.

Doch was war das Motiv der Banken für die Aktienrückkäufe? Ich habe am Mittwoch schon über mögliche Motive von Unternehmen für den Rückkauf eigener Aktien geschrieben. Ein spezielles Motiv der Banken war aber noch nicht dabei.

Es handelt sich dabei um das Motiv, die Eigenkapitalrendite (EK-Rendite) – die “Königs-Rendite-Kennziffer” für Banken -  aufzupolieren. Wie das mit Hilfe von Aktienrückkäufen möglich ist, werde ich Ihnen jetzt erklären.

Eigenkapital runter – Eigenkapitalrendite rauf

Durch den Rückkauf von eigenen Aktien wird das Eigenkapital verringert. Das alleine verbessert noch nicht die EK-Rendite.

Was also muss noch passieren? Die Antwort lautet: Nicht viel! Denn das Unternehmen muss lediglich den Gewinn stabil halten (also auf gleichem Niveau wie vorher halten) und schon wird durch die geringere Eigenkapitalbasis die EK-Rendite gesteigert.

Wie das funktioniert? Bei der Berechnung der EK-Rendite wird der Gewinn mit dem Eigenkapital ins Verhältnis gesetzt. Da das Eigenkapital in der Division den Nenner darstellt, erhöht sich bei gleichem Gewinn automatisch die EK-Rendite, wenn das Eigenkapital vermindert wird.

 

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