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Anlagebetrug in Deutschland: Die spektakulärsten Fälle der jüngsten Vergangenheit im Überblick

Tobias Schöneich

Tobias Schöneich

Anlagebetrug ist in Deutschland leider ein großes Thema und dieser Tage wieder besonders aktuell. Ich möchte daher heute aus aktuellem Anlass einige der größten Betrugsfälle der jüngsten Vergangenheit noch einmal für Sie aufrollen.

Bevor ich Ihnen die Fälle im einzelnen Vorstelle, möchte ich aber zunächst meine Verwunderung darüber äußern, dass wir in Deutschland auf der einen Seite eine Aktionärsquote von 6-7% haben und sich auf der anderen Seite zehntausende Deutsche auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt “herumtreiben” und Opfer von Betrugsfällen werden.

Jetzt aber die angekündigte Übersicht über einige der spektakulärsten Anlage-Betrugsfälle der letzten Zeit.

Infinus: Der jüngste Betrugsfall könnte zum Mega-Skandal werden

Die Infinus AG soll ihre Bilanzen durch ein sogenanntes Provisionskarussell geschönt haben. Das bedeutet konkret, dass der Dresdener Finanzdienstleister Gewinne aus Provisionen erzielt haben soll, die das Unternehmen wohl von der eigenen Mutter, der Future Business KgaA (Fubus) erhalten hat. Letzteres berichtete ein Insider eine Woche nach der Razzia bei Infinus gegenüber dem Handelsblatt.

Die Provisionen sollen schließlich am Jahresende stets als Gewinne zurück an Fubus, die Mutter der Infinius, überwiesen worden sein. Dadurch wurden in den Bilanzen Ausgaben von Fubus zu Umsätzen bei Infinus.

Anfang November haben 400 Ermittler Büroräume und Privatwohnungen des Infinus-Managements durchsucht. In diesem Fall, der sich zu einem Mega-Skandal entwickeln könnte, müssen schätzungsweise 25.000 Anleger um etwa 400 Mio. Euro bangen.

Der zuständige Oberstaatsanwalt Lorenz Haase sagt, dass Infinus in Verkaufsprospekten “unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage” gemacht hat. Mehr nicht. Gleichzeitig bittet er um Verständnis dafür, dass er sich so wortkarg gibt. Es handele sich schließlich um ein laufendes Verfahren. Ausgang offen.

S&K: Erst der Protz, dann der Absturz

Die S&K-Gruppe ist eine in Frankfurt ansässige Gesellschaft, die geschlossene Immobilienfonds auf den Markt brachte, und deren verantwortliche im Verdacht stehen, mit einem sogenannten Schneeballsystem Anleger um hohe Summen geprellt zu haben.

Die Frankfurter Staatsanwälte ermitteln derzeit gegen 85 Verdächtige, darunter die beiden Geschäftsführer Jonas Köller und Stephan Christoph Schäfer  der Kapitalanlagegesellschaft S&K als Hauptbeschuldigte. Der extravagante Lebenswandel und die Geldprasserei der beiden Hauptbeschuldigten ist mittlerweile legendär.

Beide hatten ein Faible für Luxuskarossen, teure Uhren, schöne (und leicht bekleidete) Frauen und ließen sogar anlässlich einer Feier einen Elefanten herbeischaffen, der zur Zierde und als Statussymbol diente und schließlich den Gipfel der Protzerei darstellte.

Der Ausgang der Ermittlungen ist noch offen. Der durch das vermutete Schneeballsystem angerichtete Schaden wird aktuell auf rund 111 Mio. Euro geschätzt.

Wölbern Invest: Droht der nächste Skandal im Immobiliensektor?

Seit Ende September diesen Jahres deutet einiges darauf hin, dass es einen weiteren großen Anlageskandal im Immobiliensektor geben wird. Am 23. September wurde Professor Heinrich Maria Schulte, der Chef des Fondshauses Wölbern, im Anschluss an eine Razzia verhaftet.

Wölbern Invest hat nach eigenen Angaben seit 1993 97 Fonds mit einem Investitionsvolumen von rund 3,8 Mrd. Euro auf den Markt gebracht. Diese wurden unter anderem von der Commerzbank, der Citibank und von Sparkassen vetrieben.

Jetzt wirft die Staatsanwaltschaft Hamburg dem Wölbern-Chef Schulte “gewerbsmäßige Untreue in 318 Fällen vor”. Dabei ging es um 318 angeblich unlautere Überweisungen in der Zeit zwischen dem 16. August 2011 und dem 28. Juni 2013. Diese sollen auf ein deutsches Konto einer niederländischen Bank getätigt worden sein.

Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Hamburg seien 29 geschlossene Immobilienfonds betroffen. Die Verhaftung Schultes erfolgte übrigens wegen Fluchtgefahr. Sofern er verurteilt wird, hat er wohl mit einer mehrjährigen Haftstrafe zu rechnen.

Aber auch in diesem Fall ist der Ausgang noch völlig offen. Fest steht auch in diesem Zusammenhang aktuell lediglich, dass die geprellten Anleger die großen Verlierer sind bzw. sein werden.

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